CD-Besprechung

Fumito Nunoya |

Piazolla on Marimba

Text: Stefan Pieper

Marl, 07.12.2016 | Fumito Nunoya spielt Marimba – und das Anliegen des in Detmold lebenden gebürtigen Japaners ist es, die Ausdrucksmöglichkeiten dieses Instruments zu erweitern und im besten Sinne ins „Singen“ zu versetzen!

Das heißt eben nicht, dass er wie viele seiner Kollegen dem Show-Aspekt huldigt, denn statt einem vordergründigen Schneller-Höher-Weiter ist der Weg zu maximalem künstlerischen Tiefgang sein erklärtes Ziel.

Auf seiner neuen CD widmet sich Fumito Nunoya der Musik Astor Piazollas. Und zwar so, dass die Musik dieses 1992 gestorbenen Weltmusikers eben nicht nur als „Appetithäppchen“ (wie es gerne als Zugabe sehr beliebt ist) präsentiert wird, sondern stattdessen eine Gesamtschau in tiefere Zusammenhänge eintauchen lässt.

Vor allem Nunyoas Bearbeitungen der ruhigeren Piazolla-Stücke werden zu tief lyrischen Stimmungsportraits. Verblüffend ist Nunoyas Fähigkeit, kantable Bögen auszugestalten, indem langer Notenwerte in eine Kette von Einzelschlägen „zerlegt“ werden, was unter Nunoyas Händen bzw. Schlegeln mit frappierender Sensibilität geschieht. In einer mehrsätzigen Tango-Suite schöpft er die ganze spieltechnische Trickkiste aus, um in den vielen Stimmungswechseln und beweglichen Rubato-Effekten leidenschaftlichen Atem zu erzeugen. Deutlich wird, was das Marimba dank dieses so konsequent agierenden Spielers besonders gut kann - nämlich eine endlose Bandbreite von dynamischen Abstufungen, Akzentuierungen und Artikulation zu erzeugen. Hinzu kommen bei einigen Stücken die Pianistin Momoko Shano und der Violinspieler Yuka Sato. Diese beiden Spielpartner waren auf jeden Fall eine gute Wahl, um eine gemeinsame, intensive Linie zu formen, welche dann auch die Ausdruckswelt des Bandoneonspielers Piazolla treffsicher erfasst. Auf diese Weise erstrahlen große Welthits wie „Oblivion“ oder „Libertango“ in neuem sinnlichem Glanz. Der brillante, hier sehr subtil abgestufte, manchmal gläsern anmutende Klang von Nunoyas Marimbafon eröffnet zudem neue Dimensionen von analytischer Transparenz. Die Hölzer, aus denen die Aufschlagplatten für Marimbafone gefertigt werden, gehören zu den härtesten Sorten, welche dieser Planet hergibt und das hört man.

Last but noch least werden auch aufschlussreiche Antworten auf die Frage nach einer möglichen „DNA“ für Piazollas unverwechselbare Tonsprache gegeben: Das ist der Jazz, denn Piazolla in jungen Jahren in New York so intensiv erforschte. Aber es wäre auch ohne Bach und seine Polyphonie wohl kein Tango-Nuevo-Stück in dieser Form entstanden. Piazolla bleibt immer zu 100 Prozent Piazolla, wenn man ihn – egal worauf und in welchem Arrangement und auf welchem Level improvisatorischer Freiheit - spielen kann! Und das können Fumito Nunoya sowie Momoko Shano, Klavier und Yuka Sato, Violine auf jeden Fall.

Fumito Nunoya, marimba

Hiroya Honda, Marimba

Yuko Sato, Violin

Momoko Shano, piano

oehms classics 2016