CD Besprechung

Sokratis Sinopoulos Quartet |

Eight Winds

Text: Uwe Bräutigam

Ystad, 18.05.2016 | Im Mittelpunkt der Musik von Sokratis Sinopoulos steht die kretische Lyra, eine dreisaitige Kurzhalslaute, die mit einem Bogen gestrichen wird. Die Lyra ist ein verbreitetes Instrument der Volksmusik auf Kreta und den ägäischen Inseln.

Sokratis Sinopoulus, 1974 in Athen geboren, hat klassische Gitarre und byzantinische Musik studiert, bevor er zur Lyra kam. Er hat sich intensiv mit der Folklore Griechenlands, des Balkans und angrenzender Länder beschäftigt und gehörte zu den wichtigsten Musikern, die das wiedererwachende Interesse an der Lyra befördert haben.

Mit den Jahren waren die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten der Folklore für Sokratis Sinopoulos zu begrenzt und er suchte nach neuen musikalischen Formen. Besonders die Zusammenarbeit mit Charles Lloyd hat ihn zu neuer Offenheit in der Musik inspiriert.

Eine wichtige Rolle bei der Formierung seines Quartetts spielte das Zusammentreffen mit dem Pianisten Yann Keerim (Yannis Kirimkiridis), 1979 in Ionnina geboren. Ein musikalischer Freigeist, mit klassischer Ausbildung und großer Erfahrung in den Bereichen Jazz, Film- und Weltmusik. Die gemeinsame Arbeit der beiden Musiker war äußerst fruchtbar und half Sinopoulos eine neue Musik zu kreieren, die in der Volksmusik wurzelt, aber mit klassischer Musik, Jazzelementen und Weltmusik getränkt ist.

Diese neue Musik ist auf den zwölf Stücken des Albums “Eight Winds“ zu hören. “We´re not `fusing` anything,“ Sinopoulus cautions. “Each of us has acquired and internalized a lot of knowledge and experience of different styles, before approaching the others. (…) if you find yourself playing something that could easily described as `jazz` or `folk` or `classical`, then try and avoid it.”

Die Musik des Sokratis Sinopoulos Quartetts ist zwar sofort als griechische Musik zu erkennen, aber jeder weiteren Klassifizierung entzieht sie sich.

Die Lyra von Sokratis Sinopoulos hat einen melancholisch fast klagenden Klang, der an eine Frauenstimme erinnert, die man in der Ferne hört.

Die ersten drei Stücke des Albums, beginnend mit dem Titelstück “Eight Winds“, sind vorallem geprägt vom Zusammenspiel der Lyra und des Pianos, Bass und Schlagzeug sind hier nur sehr zurückhaltende Begleitung. In den Stücken, “Thrace“ und “Streetdance“ werden Volkstanzmotive benutzt, dabei wird Perkussion intensiv eingesetzt aber die “Tanzmusik“ wird immer wieder gebrochen.

Auch im fünften Stück, “Aegean Sea“ spielt die Perkussion eine wichtige Rolle. Hier verarbeitet Sinopoulos Elemente alter Melodien der griechischen Inseln. Während das sechste Stück, “In Circles“, mit einem Bassintro beginnt und dann fast jazzig weitergeführt wird.

Die acht Winde des Titels darf man sich nicht als Stürme vorstellen. Die Musik des Albums entspricht eher einer sanften Brise, die über das Meer weht und Sehnsucht erwachen lässt. Nur an wenigen Stellen wird der sanfte Wind etwas heftiger, wie im Stück “Forever“, wo sich das Spiel der Lyra zu großer Eindringlichkeit verdichtet und mit den anderen Instrumenten in ein Crescendo übergeht.

Sokratis Sinopoulos hat die Musik der Lyra auf eine neue Ebene der Gegenwartsmusik gehoben, ohne die Volkstradition aufzugeben. “Eight Winds“ ist eines der schönsten “Jazz and beyond“ Alben der letzten Jahre.

Sokratis Sinopoulos Quartet – Eight Winds (ECM 2407)

Sokratis Sinopoulos, Lyra

Yann Keerim, Piano

Dimitris Tsekouras, Bass

Dimitris Emmanouil, Schlagzeug

www.ecmrecords.com