Jazzlegenden auf Worldtour |

Chick Corea & Steve Gadd Band in Köln

Text: Uwe Bräutigam | Fotos: Zbigniew Lewandowski

Köln, 23.11.2017 | Chick Corea und Steve Gadd verbindet eine über 40 jährige musikalische Freundschaft und Zusammenarbeit. Bereits Coreas erfolgreiche Grammy Alben Friends und Leprechaun aus dem Jahr 1976 sind von Steve Gadds Schlagzeugspiel mitgeprägt.

Nun haben sind die beiden Musiker, die beide über 70 sind, noch einmal auf eine Welttour gegangen und machen in der Kölner Philharmonie Station.

Chick Corea und die Steve Gadd Band mit Lionel Loueke an der Gitarre, Steve Wilson am Saxofon und Querflöte, Carlitos Del Puerto am Bass und dem Perkussionisten Luisito Quintero sind in bester Spiellaune.

Gleich mit dem ersten Stück, Night Streets aus dem Album My Spanish Heart (1976), wird das Publikum in die Rhythmus betonte Latinmusik hineingezogen. Auch auf diesem Album war Steve Gadd bereits als Drummer dabei. Auf der Platte dauert das Stück kaum mehr als sechs Minuten. In Köln wird daraus ein über 20 minütiges Stück mit einem Feuerwerk an Soli und Ensemblespiel. Ein langes Sopransaxophonsolo von Steve Wilson wird gefolgt von einem fulminanten Duo von Chick Corea und dem Bassist Carlitos Del Puerto, Lionel Loueke entlockt seiner elektronisch verfremdeten Gitarre Töne, die an eine hohe Singstimme oder eine Orgel erinnern und dann zeigt Luisito Quintero seine Meisterschaft an den Congas, während Corea das Keyboard verlässt und den Grundrhythmus schlagend über die Bühne wandert. Steve Gadd, der bisher relaxed am Schlagzeug begleitet, geht jetzt mit dem Perkussionisten in ein Call and Response, an das er ein Schlagzeug Solo anschließt. Schon im ersten Stück ziehen die Musiker alle Register. Das Publikum ist begeistert und geht mit der Musik mit.

Die folgenden Stücke stammen alle aus der aktuellen CD Chinese Butterfly von Chick Corea und Steve Gadd, die Anfang des Jahres erscheint. Den Anfang macht Corea mit dem Stück Serenety. Ein ruhigeres Stück mit einem langen Piano Intro, das Chick Corea am Flügel spielt, Steve Wilson spielt Querflöte und der Bassist wechselt vom E-Bass zum Kontrabass. Lionel Loueke bgleitet nicht nur auf der Gitarre, sondern auch mit seinem sanften intimen Gesang.

Im nächsten Stück wird das Tempo wieder etwas angezogen. Chick`s Chums eine Komposition von John McLaughlin. Steve Gadd setzt in diesem Stück seine Basstrommel sehr prominent ein.

Auch die beiden nächsten Stücke A Spanish Song und das bekannte Return to Foreversind a Anfang der 80er bzw. der 70er entstanden und sind auf dem aktuellen Album in neuem erweitertem Gewand zu finden.

Auch A Spanish Song ist ein Füllhorn an herausragenden Soli, Duos und Ensemblespiel.

Chick Corea eröffnet am Flügel mit einem langen an Mozart gemahnenden Solo. Dann setzt der Kontrabass ein und langsam kommt die Band wieder dazu. Steve Wilson spielt ein intensives Sopransaxophon Solo. Die Gitarre von Lionel Loueke ist so eingestellt, das sie wie eine Hammondorgel klingt. Chick Corea spielt ein wunderschönes Duo mit dem Kontrabassisten Carlitos del Puerto. Corea hat immer wieder spanische Volksmelodien in die Komposition eingewoben.

Dann gibt es noch einen “Special Song“. Die Band improvisiert einwenig hin und her und dann entsteht Happy Birthday To You. Der Song richtet sich an Bernie Kirsh am Mischpult, der Chick Corea seit 1965 begleitet und auch bei allen Plattenaufnahmen dabei war. Eine Verbeugung der Musiker vor dem herausragenden Tontechniker.

Mit Return To Forever wird das Konzert beendet. Der Songtitel, der auch der Name von Chick Coreas wichtiger Jazzrock Band war. Nach überwältigendem Beifall gibt es natürlich eine Zugabe. Welches Stück eignet sich mehr als Spain. Wenn es so etwas wie einen Hit von Chick Corea gibt, dann ist es sicher dieses Stück. Nach seiner Eröffnung mit dem Adagio aus Rodrigos Concierto de Aranjuez, das in der Jazzwelt durch Miles Davis Sketches Of Spain bekannt wurde, geht es in einen Samba Rhythmus über. Zwischendurch gab es für das Publikum Gelegenheit mitzumachen und einzelne Tonfolgen die Chick Corea vorgab mitzusingen. Ein gut choreographiertes Konzert, mit einem Knaller am Anfang und am Ende.

Aber vor allem ein Konzert mit zweieinhalb Stunden durchgängig großartiger Musik von hervorragenden Musikern. Chick Corea und Steve Gadd, sind Weltklasse Musiker, die sich großartige Musiker an ihre Seite geholt haben, die mit ihrem Können, die Vielfalt an musikalischen Ideen umsetzen und die tief in der lateinamerikanischen Musik verwurzelt sind und so auch das Temperament und das Gefühl für diese Musik mitbringen. Ein Konzert der Extraklasse.