Auf Wolke 7 |

Das Hanno Busch Trio auf dem Nordsternturm

Fotos: Peter E. Rytz

Gelsenkirchen, 11.11.2017 | Vor Jahrzehnten wurde man mit dem Fahrstuhl nicht nur in höhere Stockwerke transportiert. Klappernde, rasselnde Geräusche begleiteten die Fahrt. Heute ist es ein fast geräuschlos schwebendes Surren. Wer sich am letzten Donnerstag zum Jazzkonzert des Hanno Busch Trios verspätetet hatte, mit dem Fahrstuhl in den 18. Stock des Nordsternturms in Gelsenkirchen schwebte, könnte sich wie auf der Wolke 7 des Klangs gefühlt haben.

Auf den griechischen Philosophen Aristoteles geht die Redewendung vom sieben­ten Himmel zurück. Ähnlich seiner Beschreibung, dass das siebente Himmels­gewölbe die Welt mit all ihren Planeten, Sternen, Monden und Sonnen gegen das Nichts abschloss, fühlt man sich auf der Nordsternturm-Plattform in einem Jazz-Kosmos gehoben.

Sanctuary, mit dem Hanno Busch seine E-Gitarre flirrend die Plattform flutet, gemeindet die Zuhörer für die folgenden zwei Stunden mit seinen Side-Men Claus Fischer (e-b) und Jonas Burgwinkel (dr) in einen Klangraum ein, der hoch über dem Ruhrgebiet wie in einer Raumkapsel schwebt.

Der Jazzmanager Bernd Zimmermann von FineArtJazz schwelgt in Begeiste­rung für die nach seiner Meinung wahrscheinlich außergewöhnlichste Location in der Region. Dass der Raum nicht nur die Musiker geflasht hat, ist in den Ge­sichtern der exklusiven Schar von vielleicht 70 Konzertbesuchern abzulesen. Freudige Erwartung in einem aussergwöhnlichen Ambiente, im Widerschein far­big beleuchteter, raumgreifender Stahlkonstruktionen.

Der Sound des Hanno Busch Trios entwickelt dichte dynamische Phrasierun­gen. Es ist als würde die inspirierende Kraft des Raumes, ihre Musik ihn mit Sanctuary wie ein Heiligtum hochachtungsvoll zärtlich umschmeicheln. Weiter­hin sucht Hanno Busch, innerlich sichtbar erregt, nach Worten, seine Begeiste­rung für die Musik und die Texte von Billy Joel auszudrücken. Leichter fällt es ihm Joel mit And so it goes grooven zu lassen.

Optisch gesehen, nehmen sich Busch und Burgwinkel neben dem Kraftzentrum Fischer wie Leichtgewichte aus. Ihre musikalische Präsenz und Überzeugungs­kraft gewinnen sie gemeinsam mit einer Verbindung von avanciertem Trio-Sound, der von solistischen Improvisationen belebt und vorwärts getrieben wird.

Busch eröffnet in der Regel mit variabel gemischten Gitarrenriffs motivische Perspektiven, von Fischer mit stupenden Basslinien gesättigt, entlockt Burg­winkel seinem Drum-Set eine schier unerschöpfliche, percussive Klangvielfalt. Der Sound halluziniert die Plattform in einen akustischen Ausnahmezustand. Beim sich klangmächtig aufwallenden, von Burgwinkel ingeniös befeuerten My silence is my self defense hat man für Momente das Gefühl, der Nordsternturm würde schwanken.

But neverless - We didn’t Start the fire -, verbeugt sich Busch zum Abschluß des Konzerts noch einmal vor Joel. Der Nordsternturm bleibt nach dem Konzert stehen, aber in den Ohren der Zuhörer schwingt beim luftig leichten, lautlosen Niederfahren des Fahrstuhls I said too much weiter. Manche Rede ist eine zu­viel. Von der Musik des Hanno Busch Trios kann man eigentlich nicht genug haben.

Peter E. Rytz