Jazz-Melancholie und Fusion-Jazz |

Jessica Gall Quintett und Between & Beyond

Text & Fotos: Vera Marzinski

Gummersbach, 26.11.2017 | Zum elften „Jazzmeeting Oberberg“ hatten die Organisatoren das „Jessica Gall Quintett“ und „Between & Beyond“ eingeladen. Eine gute Mischung aus souliger Jazz-Melancholie und Fusion-Jazz begeisterte die Gäste in der Halle 32 in Gummersbach.

Zwei Acts präsentierte „Jazzmeeting Oberberg“ am Freitagabend. Zunächst die regionale Band des Gitarristen Manuel Marcos, die Fusion-Jazz boten. „Between & Beyond“ überzeugten mit lässig groovenden Allzeit-Hoch-Songs von Deodato, den Crusaders, Robben Ford und anderen. Die gebürtige Berlinerin Jessica Gall präsentierte ihr aktuelles Album „Picture Perfect“. Mit Ehemann und Pianist Robert Matt hat sie dafür zehn Stücke geschrieben, von denen sie einige mit ihm und drei weiteren Musikern dem Gummersbacher Publikum darbot.

Jessica Gall hat ein besonderes Timbre und schreibt Songs mit Tiefgang. Wenn sie dann noch kleine Geschichten dazu erzählt, hört man noch intensiver zu. So bei „Pardon me“, dass sie mit Robert Matt nach einer kleinen Auseinandersetzung komponierte, wie sie erzählte. Zuvor habe sie etwas rumgezickt und er hätte sich daraufhin heftigst am Klavier abreagiert, erzählt sie. Wie das ausgesehen haben könnte, erlebten die Zuschauer intensiv, denn Robert Matt traktierte den Flügel auf der Bühne sogar im Stehen. Ein grandioser Pianist mit vehementem Spiel. Er begleitete seine Frau in Gummersbach nicht nur am Flügel, sondern auch gesanglich. Ebenso wie Gitarrist Johannes Feige, der sehr gefühlvoll schon beim ersten Stück nicht nur auf seinem Instrument brillierte. Dazu eine hervorragende Rhythmusgruppe mit Martell Beigang am Schlagzeug und Bassist Björn Werra. Mit Stücken wie „Rain“, „Real Live Girl“ oder „Misty Mornings“, das genau in dieser kalt-nassen Jahreszeit entstanden ist, überzeugten sie. Jessica Gall studierte Jazz an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und fand schnell ihren persönlichen Stil als Jazz-Singer-Songwriterin und veröffentlichte mit „Picture Perfect“ bereits ihre vierte CD mit groovigen und melancholischen Songs. Besonders schön in Gummersbach: das a-capella-Stück des gesamten Quintetts, die sich dazu auf den Bühnenrand setzten – und die Version von Reinhard Meys „Über den Wolken“ von Jessica Gall für den Heimweg.

Den Anfang des „Jazzmeeting Oberberg“-Abends machten zuvor „Between & Beyond“. Sie gastierten schon mehrfach in der Halle 32 und entführten in die Hochzeit des Fusion-Jazz. Mit „Tahiti Hut“ des brasilianischen Jazzpianisten Eumir Deodato de Almeida oder Robben Fords „On that morning“ zeigten sie die Verbindung der rhythmischen Intensität desFunk und der Kraft der Rock- und Popmusik auf hohem Niveau. 2015 formierte Gitarrist Manuel Marcos „Between & Beyond“ zusammen mit Pianist Stefan Heidtmann - der gemeinsam mit Manfred Bestgen Organisator von „Jazzmeeting Oberberg ist - Drummer Daniel Galati, Posaunist Bernt Laukamp und Bassist Thomas Rieck. Alle fünf Musiker sind eng mit dem Oberbergischen verbunden. Der Ründerother Bernt Laukamp, war langjähriges Mitglied der WDR-Big-Band und ist in vielen Formationen aktiv. Der vielseitige Jazz-Pianist und -Keyboarder Heidtmann sucht immer wieder neue Herausforderungen - auch im Lounge- und Fusion-Bereich. Bassist Thomas Rieck stammt aus Derschlag und hat seine Erfahrungen bei mehreren Fusion-Formationen, unter anderem im Raum Wuppertal gesammelt. Daniel Galati gibt den Rhythmus zu Rock, Pop, Funk, Fusion, Latin und Jazzt in Big Bands und auch kleinen Formationen. Manuel Marcos begann im Alter von acht Jahren mit klassischer Gitarre bei seinem Vater Ramiro Marcos. Zusammen boten „Between & Beyond“ Fusion-Jazz live und ganz besonders. Dass bei Livemusik das Empfinden doch intensiver sei und Kommunikation stattfinde, betonte Manfred Bestgen zu Beginn des Abends und wies auf ein weiteres Highlight hin: Bereits im Frühjahr 2018 gibt es wieder eine „Jazzmeeting Oberberg“-Veranstaltung in der Halle 32. Am 15. März 2018 wird „Al Di Meola“ hier auftreten.