Julius Eastman Abend 24.11. |

Vergessener Musiker wird wiederentdeckt

Text: Uwe Bräutigam

Köln, 17.11.2017 | >Ensemble Tra I Tempi

Julius Eastman. Right thought, speech and action...Eine Konzertnacht.

Freitag, 24.11.2017

Kunststation Sankt Peter Köln
Jabachstraße 1,50676 Köln

19 Uhr

Julius Eastman Crazy Nigger (1978) für Ensemble

20.30 Uhr

Julius Eastman Colors (1973) für 14 Frauenstimmen

Julius Eastman Buddha (1984) für freie Besetzung

Julius Eastman Macle (1971) für Stimmen

22 Uhr

Julius Eastman Gay Guerrilla (1979) Stimme, Schlagzeug, Klavier

Julius Eastman war schwarz, schwul, radikal und genial. Er starb 1990 als Obdachloser und geriet in Vergessenheit.

Eastman war ein begnadeter Sänger. Er hat Eight Songs For A Mad King von Peter Maxvall Davies unter Leitung von Pierre Boulez im Lincoln Center gesungen. Er hat im Ensemble von Meredith Monk mitgesungen, war am berühmten Album Dolmen Music beteiligt. E hat mit seinem Bruder in einer Jazzband gespielt. Sein Bruder war Gitarrist im Count Basie Orchestra.

Er hat mit Morton Feldman und John Cage zusammengearbeitet. Hat sich durch einen Skandal mit Cage überworfen.

Eastman hat versucht, „das, was ich bin, in vollen Zügen zu sein – schwarz in vollen Zügen, ein Musiker in vollen Zügen, und ein Homosexueller in vollen Zügen.“ Seine Kompositionen spiegeln genau das wider. Sie sind wild, frei, insistierend, irritierend in ihrer offenen Notation und doch auch voll Sehnsucht nach subtiler Klanglichkeit. Sie kümmern sich nicht um Grenzen.

Seine Werke tragen oft provozierende Titel, wie Gay Guirilla oder Crazy Nigger. Minimalistische Prozesse mit Elementen der Popmusik, Konzeptuelles, komplexe Vorgänge – alles handhabt Eastman virtuos.

Er zerbrach daran und wendete sich Alkohol und Drogen zu. 1990 starb er als Obdachloser.

Seine Partituren gingen verloren, er geriet in Vergessenheit.

Seit einigen Jahren sammelt die englische Komponistin Mary Jane Leach seine Werke und hat eine Eastman Biographie geschrieben. Dies hat dazu geführt, dass sein Werk immer mehr Beachtung findet. In New York und London fanden Retrospektiven für Eastman statt. In Berlin wurde sein Werk auf der Maerzmusik 2017 gewürdigt. Nun wird auch in NRW Eastmans Musik in größerem Zusammenhang vorgestellt.

Sein Werk ist in vielerlei Hinsicht für Musiker*innen eine Herausforderung. Die Überlieferung ist häufig fragmentarisch, bedarf der Deutung, der Einmischung, aber auch da, wo die Partitur vollständig erhalten ist, ist sie häufig improvisatorisch offen angelegt.

Dieser faszinierenden Aufgabe stellt sich das Ensemble TRA I TEMPI in einer Konzertnacht, die einen repräsentativen Querschnitt durch das kompositorische Schaffen Eastmans gibt.

http://www.traitempi.de/zeitliches.html