Aktueller Jazz aus der Schweiz |

Trio Rosset Meyer Geiger im Beethovenhaus

Text: Uwe Bräutigam | Fotos: Peter Hummel/webside Band

Bonn, 21.11.2017 | In der Reihe ASPEKTE bietet das Beethovenhaus in Bonn seit vielen Jahren eine Konzertreihe für Jazz an.

In dieser Reihe sind herausragende Bands wie das Pablo Held Trio oder Sternal, Grenadier und Burgwinkel aufgetreten. Eine besondere Beziehung pflegt das Beethovenhaus zu unseren schweizer Nachbarn. Eine große Bandbreite an unterschiedlichen Jazzbands aus der Schweiz sind schon in Bonn aufgetreten.

So ist es keine Überraschung, dass eine junge Band aus St. Gallen am 17.November im Kammermusiksaal des Beethovenhauses spielt.

Das Trio Rosset Meyer Geiger drückt schon mit dem Bandnamen aus, hier spielen drei gleichberechtigte Musiker miteinander. Josquin Rosset, Klavier; Gabriel Meyer, Kontrabass und Jan Geiger, Schlagzeug.

Ihre Konzerte beginnen sie immer mit einem ihrer ältesten Stücke Die Sau. Danach spielen sie das Stück Mantra (aus der aktuellen CD Drü) vom Schlagzeuger Jan Geiger. Vom ersten Stück an wird deutlich, das sie kein Klaviertrio sind, bei dem die Rhythmusgruppe das Piano begleitet. Hier spielen ein Pianist, ein Bassist und ein Schlagzeuger auf Augenhöhe zusammen.

So fängt ein Stück mit einem Bass Ostinato an. Der Schlagzeuger schlägt den Rhythmus mit kleinen Rasseln und das Piano kommt mit einem kurzen Thema dazu, pausiert und wiederholt. So entsteht eine richtige Sogwirkung. Es bleibt viel Zeit für Pausen. Jede Phrase wird förmlich entwickelt. Langsam kommen die Instrumente dichter zusammen, die Pausen nehmen ab und die Musik steigert sich.

Im nächsten Stück gibt es ein langes Klavierintro, bei dem der Schlagzeuger mit dünnen Stäben eine feine Begleitung spielt.

Jan Geiger kann auch wild spielen und verschiedene Dosen und Schalen als Klanggeber auf seinen Trommeln einsetzen. Josquin Rosset spielt dazu schnelle Akkorde auf dem Piano.

Bassist Gabriel Meyer steuert das Stück La Mere bei. Geiger setzt Besen ein, begleitet von perlendendem Klavierspiel. Dann folgt ein längeres Basssolo mit sanfter Schlagzeug Untermalung und Melodieminiaturen vom Piano. Dann werden die melodischen Bögen länger und Bass und Schlagzeug treiben den Rhythmus voran.

Zu Beginn des zweiten Sets wird auch der Bonner Generalanzeiger zum Musikinstrument. Jan Geiger raschelt mit der Zeitung, zerfleddert sie und benutzt sie als Trommelstock, bei allem hält er den Rhythmus bei. Ein Schweizer Blues.

Das letzte Stück Arcs stammt wieder vom Pianisten Josquin Rosset und stammt ebenso wie die Stücke Mantra, La Mere und Shall Bay aus der CD Drü (Schwitzerdütch für Drei). Im Arcs gibt es einen richtigen Wettlauf von Piano und Schlagzeug.

Trotz all der lebendigen, temperamentvollen und manchmal wilden Passagen, macht das Trio Rosset Meyer Geiger Musik, mit viel Raum, viel Feinheit, viel Zeit. Da wird hier etwas verzögert und dort eine Pause gesetzt. In diesem Raum entwickeln sich Harmonien und Rhythmen, es entsteht Unerwartetes, Unvorhersehbares, vor allem im Kleinen aber manchmal auch in großen wilden Sprüngen. Ein Konzert mit vielen fast magischen Momenten, die die Zuhörer*innen förmlich in den Bann schlagen.

Infos zur Band:

http://www.rossetmeyergeiger.com/home.html

Weitere Konzerte im Beethovenhaus:

https://www.beethoven.de/konzert/93622