CD-Besprechung

About Aphrodite |

Polaris

Text & Fotos: Stefan Pieper

Marl, 23.06.2018 | Das Duo „About Aphrodite“, bestehend aus der Saxofonistin/Thereminspielerin Gilda Razani und dem Pianisten/Keyboarder Hans Wanning, ist mittlerweile so tief in der eigenen Sache angekommen, dass eine programmatische Aufteilung des eigenen Musikspektrums Sinn macht: Da ist zum einen die technoide Seite, diese unvergleichliche Mischung aus treibenden Trancerhythmen und psychedelischen Sounds plus Live-Improvisation. Mittlerweile werden die beiden mit diesem Programm von ausgesuchten Festivals, etwa dem legendären „Fusion“-Open Air oder dem aufstrebenden rumänischen Elektronikfestival „Afterhills“-Festival eingeladen.

Aber es gibt auch die andere, konzertante Seite – und die ist letztlich eine andere Aussprägung desselben Wesenskerns. Dieser ist klar definiert: Gilda Razani bringt auf dem Theremin, dem ältesten elektronischen Instrument der Welt die ganze Poesie eines körperlos erzeugten Sinustones zur Entfaltung. Analoger geht es nicht! Gilda Razani ist zudem eine ekstatisch aufspielende Saxofonistin, die gerne in hohen und höchsten Lagen unterwegs ist. Für Hanns Wanning sind klassische Pianistik und Jazzimprovisationen keine getrennten Welten. Ebenso ist er ein Synthesizer-Spieler aus Überzeugung. Will sagen, er nutzt die ganzen Möglichkeiten der Klangsynthese nicht verschämt als Füllmaterial, sondern spielt den Syntheziser wie einen solchen - expressiv und mit Leidenschaft!

Das neue Album „Polaris“ zeigt auf, was bei diesem Duo noch alles jenseits treibender Trancerythmen geht. Erstmal wird hier jeder Popmusik-Konsument, der Musik immer nur in der Schublade von „Songs“ kategorisiert, in weitgespannten instrumentalen Höhenflügen eines besseren belehrt! Die fünf langen, oft sehr langen Stücke auf „Polaris“ wirken wie fantasievoll instrumentierte Sätze eines sinfonischen Gesamtwerkes. Ein echtes sinfonisches Thema steht gleich zu Anfang, wenn Gilda Razani eine langgezogene Melodie atmen lässt und Sinusfrequenzen des Theremins ins Singen versetzt. Wabernde Bass-Sytnhie-Figuren bringten untenrum den Motor in Gang, dass eine gleichfalls lyrische, wie auch psychedelisch eingefärbte Fantasiereise beginnt. Alles fließt, mutiert, entwickelt sich. Gellende Schreie des Saxofons bringen beschwörende Linien hervor, die manchmal durchaus an die stechende Kühle eines Jan Garbarek erinnern. Aber es gibt auch idyllische, fast romantische Ruhepole. Sinfonische Sätze kommen selten ohne ein Seitenthema aus...

Ein anderer „Satz“ dieses Werkes beginnt mit abstrakten Klangimpressionen, die wie Irrlichter im Raum schweben. Dann entsteht eine melödiöse Linie daraus, zieht ein neuer roter Faden in erhabene Landschaften hinein. Durchaus an frühe Terje Rypdal-Platten erinnert so mancher herb-dunkle Elektronik-Klangteppich, derweil in luftiger Höhe das Saxofon gleißende Spitzlichter setzt. Und es ziehen getragene melancholische Moll-Harmoniewechsel den Hörer weiter fort in imaginäre Ewigkeiten. Ein Auftauchen aus diesen wärmenden Bädern scheint kaum noch möglich.

Was Gilda Razani und Hanns Wanning auf diesem Album aufbieten, ist ganz großes Hörkino voller klanglicher Fantasie und mit lyrischer Tiefe, die aus einer melancholischen Grundstimmung heraus erwächst. So geht bewusst gelebte musikalischer Freiheit, hinter der bei den beiden ein profunder musikalischer Erfahrungsschatz steht.

Zur besseren Übersicht hat das Duo den beiden Ausprägungen ihrer Musik neue Etiketten verliehen: Treibjagd heißt das dancefloor-orientierte Programm. Membran Music ist der neue Oberbegriff für die konzertante Seite dieses Duos.

CD

About Aphrodite

Membran Music- Polaris

Floating World Records 2018

Ein großes Kompliment verdient der hervorragende internet-auftritt mit Videos, Audios und vielem mehr! www.aboutaphrodite.de