Café del mundo |

Seven Nights of Jazz

Text & Fotos: Vera Marzinski

Wiehl, 14.05.2018 | Einen köstlichen, musikalischen Flamenco-lastigen Café von zwei Ausnahmegitarristen, der dem Publikum sichtlich mundete servierten „Café del Mundo“ bei „Seven Nights of Jazz“ in Wiehl.

Poetisch-virtuos bringt es auf den Punkt - so ist das Spiel von „Café del Mundo“. Leidenschaftlich, ob heiter oder melancholisch. Mit ihrer Musik vermitteln sie Lebensfreude – insbesondere mit „Dance of joy“. Improvisation zu zweit. Das ist der besondere Reiz. Sie entdecken gemeinsam neue Wege und das spürt auch das Publikum. Dieses Gitarrenspiel auf sehr hohem Niveau zelebrierten Alexander Kilian und Jan Pascal auch bei „Seven Nights of Jazz“ im Burghaus Bielstein. Der Kulturkreis Wiehl hatte ein abwechslungsreiches Jazztage-Programm aufgestellt, zu dem auch das Konzert der beiden Ausnahme-Gitarristen gehörte. Bereits 2014 spielten die beiden hier und verzauberten das Publikum. Und dann sitzen sie da auf der Bühne. Lässig den rechten Fuß übers linke Knie – und das synchron. Nein, sie spielen nicht identisch, sie sind zwei Unikate, die doch zu einem „wir“ – in Form eines „Café del Mundo“ zusammenschmelzen. Sie ergänzen sich so grandios und sind doch jeder für sich solistisch beeindruckend. Ob Eigenkompositionen oder Stücke von Manuel deFalla oder Aston Piazzolla – ein Genuss. Sehr melancholisch das „Oblivion“ und voller Leidenschaft der „Libertango“ von Piazzolla. Kilian und Pascal ergänzen sich perfekt und sind ein sehr homogenes Gespann. Dass sie sich grandios verstehen, ist zu sehen und zu spüren.

Seit elf Jahren spielen sie zusammen. Begonnen hat alles bei einem Workshop von Jan Pascal, bei dem sich ein junger Mann mit roten Schuhen in den Kurs setzte und besser spielen konnte, als der Lehrer. Das war der Start für eine gemeinsame musikalische Reise. Spannend der erste Auftritt in Spanien, vor dem sie ein wenig gezittert haben, so Pascal. Doch auch dort konnten sie mit dem Spiel auf ihren Flamenco-Gitarren überzeugen. „So schnell wie die beiden spielen, können sie nicht gucken“, hatte Kulturkreis-Geschäftsführer Hans-Joachim Klein schon gemutmaßt. Und das muss man auch gar nicht erst probieren. Sie überholen sich fast selbst und so kam der kleine Vogel aus „Tico Tico no fuba“ von Zequinha de Abreu schnell ins fliegen. Danach dann die Ballade vom schlafenden Löwen – „Leon dormido“ – um ein wenig zur Ruhe zu kommen. Aber selbst da flogen die Finger über die Saiten. Beide sind seit frühester Kindheit fasziniert von der Flamenco-Gitarre und was diese genau ausmacht, versuchen sie immer noch herauszufinden. Dazu reisen sie viel und verfolgen den Weg der Flamenco-Gitarre sozusagen rückwärts. Eine Reise ging in die arabischen Länder und bei den Beduinen entstand dann „Arabian Nights“, mit dem sie den Zauber einer arabischen Nacht in perlende Klänge umsetzten. Auch eine polnische Komposition findet Platz in ihrem Programm, dass nur so strotzt vor Energie, aber auch Feinheit. „Ostatnia niedziela von Mieczyslaw Fogg ist ein polnischer Tango aus den 1920er Jahren. Jan Pascal erklärte den Gästen, woher die Stücke kommen oder welche Geschichte sie erzählen. So wie Manuel de Fallas „La vida breve“, in dem es um eine Hochzeit geht, vor der der Bräutigam moralische Flexibilität an den Tag legt und eine Braut ums Leben kommt. Deshalb heißt es auch „Das kurze Leben“.

Viel zu kurz ist das Konzert mit den beiden. Allerdings ist ihre Spielfreude ebenso spürbar beim Hören der Tonträger oder in den Online-Videos. Und ihr neues Album wird Ende September 2018 bei GLM Music erscheinen. Das Cover gibt es schon und zum neuen Album sagen sie: „Wir tragen das große Geschenk in uns, unbedingte Authentizität zu spüren und zu leben“. Genau das bringen sie auch rüber und entließen in Wiehl-Bielstein mal wieder ein verzaubertes Publikum.