CD-Besprechung

Kaleidoskop |

Search for Beauty

Text: Ingo Marmulla

Gelsenkirchen, 12.03.2018 | Hinter dem Projekt, der Band und der vorliegenden CD steckt der Gelsenkirchener Gitarrist Christian Hammer. In seinem informativen CD-Text schreibt er selbst:

„Entstanden ist Kaleidoskop im Rahmen meiner Konzertreihe Hammer+3. Seit Januar 2008 lade ich befreundete Musiker*innen in die Kunstgalerie „werkstatt“ nach Gelsenkirchen-Buer, um an diesem besonderen Ort in der Atmosphäre wechselnder Ausstellungen außergewöhnliche Konzerte zu realisieren. Im Januar 2015 spielten wie zum ersten Mal in dieser Besetzung, die sich als echter Glücksgriff heraus stellen sollte. Die Möglichkeit Modern Jazz mit osteuropäischen und orientalischen Einflüssen zu verbinden, hatte mich schon immer gereizt und in den Dreien hatte ich die idealen Partner gefunden.“ Neben Christian Hammer an der Gitarre sind dies der in Kiew geborene Saxophonist Dimitrij Markitantov, Alex Morsey am Bass und an der Tuba sowie der Percussionist Fethi Ak.

Christian Hammer als Initiator hat es verstanden, mit diesen Musikern eine Besetzung zu formieren, die sowohl von der Spieltechnik, der musikalischen Realisation als auch von der kompositorischen Genese und der Auswahl der Stücke den Anspruch einer Verbindung von Jazz und Weltmusik erfüllt. Die Kompositionen stammen überwiegend von Hammer und von Markitantov.

Hammer auf der Gitarre, wie immer technisch und spielerisch überzeugend, melodiös einfühlsam, gleichsam experimentell und dennoch im Kontext sicher begleitend und unterstützend, gibt den Rahmen für das gemeinsame Spiel und die Improvisationen vor.

Markitantov gelingt es auf dem Alt- und dem Sopransaxophon Klänge und Tonkaskaden hervor zu zaubern, die die Zuhörer unmittelbar in eine balkan-orientalische Welt versetzen. In einigen Fällen klingt sein Sopran einer „Zurna“ zum verwechseln ähnlich. Hinzu kommt der melodisch süd-östliche Duktus und entsprechende Verzierungen, die Markitantov souverän beherrscht. Über Alex Morsey muss man nicht mehr viele Worte verlieren, er hat sich in unzähligen Besetzungen und Projekten zu einem der wichtigsten Bassisten unserer Region gemacht. Die Kombination Hammer-Morsey funktioniert ohnehin schon seit Jahren. In dem Stück „Nini“ beweist er seine Fähigkeiten auch auf der Tuba, was Morsey zu einem Bassisten mit Alleinstellungsmerkmal macht. Fethi Ak als Percussionist (Darbuka etc.) gibt der Gruppe den musik-sprachlichen Akzent und verleiht dem Projekt entscheidende rhythmische Impulse.

Die Kompositionen besitzen häufig mehre Themen („Speed“), unterschiedliche Tempi als auch variierende Takte. So finden wir 7/8, 5/8 – Takte neben normalen „Vierern“. Das thematische Material wird häufig unisono von Gitarre und Saxophon vorgetragen und findet seine tonale Basis in einem Ostinatobass, der als ein tragendes Element dieser Musikrichtung nicht fehlen darf („On the Road“). Solistische Improvisationen stehen Percussions-Dialogen von Darbuka und Melodie-Instrumenten gegenüber. In Hammers Stücken klingen Jazzharmonien an - bei anderen Stücken vernehmen wir Reggae-Rhythmen...

Fremdkompositionen sind das Stück: „La Vie Continue“, bekannt geworden durch den französischen Trompeter Erik Truffaz, der seinerseits seit Jahren Brücken zwischen verschiedenen Musikstilen schlägt, oder auch der Jazzstandard „Love for Sale“. Christian Hammer erzählte mir, dass dieses Pure-Jazzstück auf eine Version Chet Bakers zurück geht, die sich ihrerseits als Funky-Version weit vom „Original“ entfernt hat. Mit “Morenika“ schließlich endet die Produktion in einer balladesken Kollage, in der neben analogen Klängen auch elektronische Elemente zu vernehmen sind.

Alles in allem kann man Christian Hammer zu seinem neuen Projekt beglückwünschen und die CD allen Jazzhörern empfehlen, die bereit sind, sich auf neue stilübergreifende Musik einzulassen. Weiter so ...

Kaleidoskop: Search for Beauty

UTR 4808(Unitrecords.com)