Monheim Triennale |

Eine “documenta“ der aktuellen Musik

Text: Uwe Bräutigam | Fotos: Norbert Jacobs

Monheim, 08.11.2018 | Die Stadt Monheim am Rhein wird ein neues Festival bekommen:

die Monheim Triennale, ein internationales Musikfestival mit dem Ziel, die wegweisenden künstlerischen Positionen der Aktuellen Musik zu dokumentieren. Der Intendant des neuen Festivals ist Reiner Michalke.

Auf seiner Sitzung am 10. Oktober 2018 hat der Rat der Stadt Monheim am Rhein einstimmig die Durchführung der "Monheim Triennale" beschlossen.

Reiner Michalke, bekannt als künstlerischer Leiter des Stadtgartens und von 2006-2016 Leiter des Moers Festivals, und Daniel Zimmermann, der Bürgermeister von Monheim und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Monheimer Kulturwerke GmbH, haben nun den Vertrag über die Monheim Triennale im Monheimer Rathaus unterzeichnet.

Monheim mit etwas über 43 000 Einwohnern liegt zwischen Köln und Düsseldorf am Rhein. Bekannt wurde Monheim in den letzten Jahren auch international durch seinen Bürgermeister Daniel Zimmermann, der als jüngster Bürgermeister Deutschlands frischen Wind in die Stadt brachte. Monheim ist eine der kinderfreundlichsten Städte in unserem Land und auch das Kulturleben wurde stark gefördert. Und eben Daniel Zimmermann war es, der sich an Reiner Michalke wandte, um ein Monheim Festival zu entwickeln.

Im Gegensatz zu einigen Städten, in denen die Festivalbetreiber, um die Unterstützung der Stadt werben müssen, geht hier die Initiative von der Stadt aus.

Um die Festivalinhalte zu vermitteln, will Reiner Michalke zusammen mit dem Musiker Achim Tang, ein erfahrener Experte im Bereich der Musikvermittlung, ein umfassendes kulturelles Vermittlungsprogramm in Monheim installieren. Achim Tang war zwei Jahre Mitglied im Kuratorium der Stiftung “Jedem Kind ein Instrument“ und 2011 „Improviser in Residence“ in Moers. Es ist das Ziel, das Verständnis für zeitgenössische Musik zu fördern, eine lebendige Verbindung zwischen Festival und Stadtgesellschaft herzustellen und künstlerische Impulse für eine nachhaltige kulturelle Entwicklung der Stadt anzubieten, z.B. in Zusammenarbeit mit Schulen, der Musikschule und kulturellen Initiativen und Projekten.

2020 soll dann eine Art “Prelude“ des Festivals an drei bis fünf Tagen in verschiedenen Lokalitäten in Monheim stattfinden, da der Umbau der Shell Abfüllanlage noch nicht abgeschlossen sein wird. Das erste vollständige Festival wird dann 2023 in der "Kulturraffinerie K714", einem dann zu einer Veranstaltungsstätte ausgebauten, am Rhein gelegenen Industriedenkmal stattfinden, an mindestens fünf Festivaltagen mit insgesamt circa 80 Programmbeiträgen. Die weiteren Ausgaben finden dann in 2026 und 2029 statt. In den Jahren zwischen der Triennale sollen sogenannte “Interludes“ von jeweils einem Tag stattfinden, als Appetitmacher für das Festival.

Alle drei Jahre soll die Monheim Triennale aktuelle Improvisierte, Komponierte und Populäre Musik in einem gemeinsamen Festivalkontext präsentieren - eine Art internationale Schau der Moderne, eine "documenta" der Aktuellen Musik.

Reiner Michalke knüpft dabei an seine Arbeit beim Moers Festival an. Er sagt dazu:

„Bereits beim Moers Festival wurde unter meiner Leitung der Begriff "Jazz" immer mehr ausgeweitet und durch den Begriff "Aktuelle Musik" ersetzt. (…) Tatsächlich entstehen im 21. Jahrhundert an den Schnittstellen von improvisierter, komponierter und populärer Musik weltweit die interessantesten und originellsten Entwicklungen und Projekte. Diese "neuen" Musiken entziehen sich den bisher bekannten Kategorien und kreieren neue Welten und Perspektiven. (…) Geplant ist eine internationale Präsentation und Dokumentation des internationalen Musiklebens an den Schnittstellen des Neuen, des Unbekannten und des Unerwartetem. Der Bereich der Aktuellen Musik, der hier abgebildet wird, umfasst die Neue komponierte Musik, die Improvisierte Musik und den Jazz, und die Populäre Musik, die sich dem Experiment und der Forschung öffnet. Beispielhaft sei erwähnt, dass die in den 1960er Jahren noch vergleichsweise unbekannten Musiker Karlheinz Stockhausen, John Lennon, Jimi Hendrix und Miles Davis durch ein unsichtbares künstlerisches Kraftfeld miteinander verbunden waren. Erst später hat man erfahren, dass sie voneinander wussten und sich gegenseitig wertschätzten. Diese künstlerischen Kraftfelder existieren auch heute und es gilt, sie in einem Festivalkontext erlebbar zu machen.“