Kunstausstellung von Liu Xiaodong |

Performance Konzert - On The Road

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 05.07.2018 | Junge MusikerInnen der Musikhochschule spielen in der Düsseldorfer Kunsthalle umgeben von großformatigen Malereien des chinesischen Künstlers Liu Xiaodong ein Konzert. Die Musik haben die Komponisten und Performancve Künstler Gerhard Stäbler und Kunsu Shim speziell für die Ausstellung des chinesischen Künstlers zusammengestellt.

Die Doppelausstellung von Liu Xiaodongs in der Kunsthalle Düsseldorf und dem NRW Forum trägt den Titel Langsame Heimkehr, angelehnt an einen Buchtitel von Peter Handke. Seine Bilder erzählen Geschichten seiner Reisen in China und im Ausland.

Ebenso international wie die Eindrücke auf den Bildern des Künstlers sind auch die Klavierstudent*innen, der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, 13 Pianist*innen aus acht Ländern. Die größte Gruppe stammt aus Süd Korea. Mit großem Können spielen sie ein sehr anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm.

In einem der Ausstellungsräume sind zwei Flügel aufgestellt, die mit der Tastatur zueinander weisen. Zwei Pianistinnen sitzen jeweils an einem Ende der Tasten zwischen den Flügeln und können so mit jeder Hand auf einem der Pianos spielen. Eine ungewöhnliche und schwierige Methode ein Stück für zwei Klaviere zu spielen. Das Werk Traumprotokolle, Clip (I) (2016) stammt von Gerhard Stäbler, der bekannt dafür ist, ungewöhnliche Elemente in seinen Werken einzusetzen. Für alle weiteren Stücke werden die Klaviere dann wieder umgestellt.

Die beiden nächsten Werke spiegeln den Zeitgeist der 70er wieder, in dem viele Künstler vom China Maos angezogen wurden. Das erste Werk Boolavogue (1981) stammt von dem englischen Komponisten Cornelius Cardew, der in den 70ern ein Anhänger Maos war und für den China das große Vorbild war. Cardew war ein wegweisender Musiker, der u.a. in den 60ern das Improvisationskollektiv AMM in London gründete, das frei improvisierte Musik spielte und eine große Nähe zum Free Jazz hatte. Ein Teil der Musiker stammte aus dem Jazzbereich, auch Evan Parker gehörte dazu. Der Einfluss dieser Gruppe reichte bis in die progressive Popmusik. Syd Barrett, der Kopf der frühen Pink Floyd war bei den ersten Treffen der Band anwesend und AMM eröffnete auch die ersten Pink Floyd Konzerte. AMM spielte auch auf den Ausstellungseröffnungen von Yoko Ono.

Das Werk Boolavogue ist von der englischen Musik des 17. Jh. inspiriert

Auch Yuji Takahashi, der großartige japanische Pianist und Komponist, war in den 70ern ein Anhänger Maos. Sein lyrisches Werk für Klavier Solo Ode To The Plumtree (1975) bezieht sich auch explizit auf ein gleichnamiges Gedicht Maos aus dem Jahr 1961.

Im weiteren Verlauf des Konzerts findet gleichzeitig mit der Musik die Performance von Kunsu Shim und Gerhard Stäbler statt. Bei Two Things (Silver) rollen die beiden Künstler Silberfolie ab, bis sie zu einem großen Berg angehäuft ist.

Das letzte Werk vor der Pause stammt von einer chinesischen Musikerin und Komponistin, die in Düsseldorf lebt und dort studierte. Es ist die Uraufführung von Endlos… bis zum, ein Werk für zwei Klaviere von Linna Zhang.

Das zweite Set wird vom Ensemble Tempus Loquendi eröffnet mit Tobias Gubesch, Klarinette, Hugo Smit, Cello, Julio G. Vico, Klavier und Linna Zhang, Elektronik. Das Ensemble wurde von Linna Zhang gegründet. Sie spielen das Werk Lucem, das eigens für diese Aufführung von Sungji Hong und Panayotis Kokoras komponiert wurde und von ihnen uraufgeführt wird.

Bei den nächsten Stücken stehen wieder die beiden Flügel im Mittelpunkt, ein Werk von Gerhard Stäbler und die Kollektivkomposition On The Road an der 52 Komponisten mitwirkten. Begleitet werden die Pianist*innen von weiteren Performance Aktionen. So werden mit bunten Klebebändern Spuren und Muster auf dem Boden angelegt und es regnet rote 1500 Papierbällchen (Thousand Five Hundret Things – RED) von der Galerie in die Ausstellungshalle.

Auch das Präparieren der beiden Flügel wird zu einer Performance, bei der viele kleine Alltagsgegenstände benutzt werden, vom Wecker bis zur Getränkedose.

Beendet wird das wunderbare Performance Konzert mit großem Ensemble von fast allen beteiligten Musiker*innen mit der Aufführung von Terry Rileys berühmten Klassiker In C (1964), ein wegweisendes Werk für die Entwicklung der Minimal Music. Die Pianist*innen spielen dabei sechshändig am Klavier.

Ein spannendes Konzert im Rahmen einer Kunstausstellung mit talentierten jungen Pianist*innen. Musik, Kunst und Performance gehen miteinander in Kommunikation und befruchten sich gegenseitig.

Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der Robert Schumann Hochschule und die Beteiligung der Musikstudent*innen. Bei Gerhard Stäbler und Kunsu Shim hat die Zusammenarbeit mit Studenten und jungen Musiker*innen schon eine lange Tradition.