Reise ins verlorene Paradies |

Herbert Pixner Projekt

Text: Vera Marzinski

Wien, 03.10.2018 | „Lost Elysion“ – das verlorene Paradies. Das Herbert Pixner Projekt nimmt mit auf eine musikalische Reise - spielfreudig, innovativ mit viel Leidenschaft und Temperament und mit jazziger Leichtigkeit.

Die neuste CD des Herbert Pixner Projekts "Lost Elysion" macht sich auf die Suche nach dem verlorenen Paradies. Es klingt teilweise sehr melancholisch, oft sehr zerrissen und sehr episch. Das Elysium, die Insel der Seeligen. Ein mystischer Ort mit rotglühenden Bergen. „Die Sehnsucht nach dieser sagenumwobenen und friedvollen Welt inspirierte uns zu dieser musikalischen Reise. Ein Experiment einer akustischen Expedition in eine oftmals surreale (Traum) Welt in zwei Teilen“, so Herbert Pixner. Er ist der Kopf des Projektes und spielt Steiersche Harmonika, Klarinette, Saxophon, Flügelhorn, Euphonium, Guitaret. Zum kongenialen Quartett gehören zudem seine Schwester Heidi Pixner (Harfe), Manuel Randi (Gitarre) und Werner Unterlercher (Kontrabass und E-Bass). Ihre Musik ist schwer in eine Schublade zu stecken. Progressive Volksmusik passt da ganz gut, da sie mit traditionellen Elementen arbeitet. Die neue CD „Lost Elysion“ stellen die vier seit Juni mit ihrer „Electrifying Tour 2018“ in 60 Konzertsälen in ganz Deutschland, in der Schweiz, in Österreich und in Südtirol vor. Zu dem „volkstümlichen“ gesellen sich aber auch Anleihen an Led Zeppelin oder Pink Floyd. Herausgekommen ist eine wirklich „electrifying“ Mischung.

Electrifying ist auch eine passende Bezeichnung für die meisten Stücke. Besonders wenn der brillante Manuel Randi auf der E-Gitarre Soloparts spielt. Die „Electrifying Overture“ ist da ganz extrem und bei den Konzerten das Opener-Stück. Beim Schreiben der Stücke für dieses Album gab es zwei (selbstauferlegte) Grundregeln. Erstens durfte kein Walzer drauf und zweites wurden alle Stücke ausschließlich mit E-Gitarre eingespielt. Aber ein Blues musste dabei sein und der ist mit „Bluesky“ sehr gelungen. Besonders bei dieser Komposition: Um ein neues Klangelement einzubringen, gelang es am Tag vor der Aufnahme-Session ein gebrauchtes Tenor-Saxophon bei Ebay zu ersteigern. „Alps“ mit dem Zusatz „Alpine Melodrama“ bezieht sich auf das Tiroler Paradies, dass leider nicht mehr so wirklich existiert durch den Tourismus. Die Menschen flüchten zur Erholung in die Berge und dabei zerstören massentouristischer Strukturen und Verhaltensweisen so Manches. Um das Thema „Flucht“ geht es auch in der „Todata from another world“. Eine zurzeit vieldiskutierte Thematik, die so alt wie die Menschheit selbst und doch aktueller denn je ist. Die Verzweiflung und Suche nach einer besseren Welt ist in diesem Stück zu erspüren, das sehr wuchtig daherkommt. Das „Anna“ Lied hat Pixner seiner Tochter, die gerade sechs Jahre geworden ist, gewidmet. „Notturno“ nimmt wieder mit auf die verlorene Insel. Das schwül-heiße und die zirpenden Zikaden sind hier zu hören und fühlen. Die Musik des Herbert Pixner Projektes ist unglaublich facettenreich und wandelbar. Auch wenn auf dieser CD manche Stücke nicht mehr ganz so traditionell und etwas kommerziell wirken. Dennoch kann der Hörer immer wieder Neues entdecken. Kein Stück gleicht dem anderen und ist auch beim mehrfachen hören wieder ganz anders. Der Sound ist bei dieser CD, die es auch in orangem Vinyl gibt, teilweise progressiver, wilder, mitunter auch unbequemer, wird aber immer wieder von ruhigeren Melodien eingeholt und geschmeidig kombiniert. Der Titel wurde bewusst gewählt, „weil wir letztlich alle auf der Suche nach dieser geheimnisvollen besseren Welt sind“, so Pixner. Das Herbert-Pixner-Projekt veränderte sein Klangbild über all die Jahre – die neue CD soll ebenso wie das neue Programm elektrisieren. Musikalisch und emotional. Und das ist sehr gelungen.

Herbert Pixner Projekt | Lost Elysion

Three Saints Records