CD Besprechung

Simon Nabatov String Trio |

Situations

Text: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 10.04.2018 | Simon Nabatov ist ein Pianist mit einer unglaublichen musikalischen Bandbreite. Er hat meisterhafte Interpretationen von Thelonious Monk veröffentlicht, spielt Free Jazz, ist ein herausragender Latin Pianist, arbeitet mit jungen Musikern in der freien Improvisationsszene zusammen und ist aber ebenso versiert in der klassischen Jazztradition. Simon Nabatov ist auf kein Genre festzulegen, er ist einfach ein genialer Pianist mit vielfältigen Vorlieben. Auf seiner neuen CD Situations zeigt er vor allem seine Wurzeln in der frühen zeitgenössischen Klassik.

AufSituations, das er wie viele seiner CDs auf Leo Records veröffentlicht hat, setzt er sich mit der zeitgenössischen europäischen Konzertmusik auseinander und arbeitet dabei mit zwei Streichern zusammen. Mit dem Südafrikaner Gareth Lubbe an der Viola hat Nabatov schon bei Leo Records die herausragende CD Lubatov veröffentlicht. Gareth Lubbe, der als Solobratscher im Gewandhausorchester spielte, oder mit Hayden Chisholm als Obertonsänger weltweit tourte, ist ein Streicher der sich auf einem ebenso hohen Niveau wie Nabatov bewegt.

Vervollständigt wird das Trio von dem herausragenden englischen Cellisten Ben Davis, der ebenso mit der Chanson Sängerin Patricia Kaas oder Popgrößen wie Jamiroquai und Steve Buckley, wie mit Free Jazzer Evan Parker oder mit Ingrid Laubrock zusammenarbeitet.

Nabatovs Kompositionen knüpfen an die zeitgenössische Musik von Satie bis Schönberg, von Debussy bis Strawinsky an. Und bei einem kreativen Geist, wie Nabatov versteht es sich von selbst, dass weder simple Zitate, noch eklektische Patchworkstücke dabei herauskommen. Die CD Situations schafft getreu ihrem Titel eine Fülle von wechselnden musikalischen Situationen, die immer wieder überraschen.

So führt das erste Stück Unfold-Fold führt die Zuhörer*innen in das Frankreich Anfang des 20. Jahrhunderts. Nabatov eröffnet mit asketischem Minimalismus im Geiste von Erik Satie und spielt sich langsam in eine Stimmung à la Debussy hinein, in die dann Viola und Cello einsetzen, die vorher nur ein Hintergrundrauschen produzierten. Im Stück Reverie eröffnen die Streicher mit einem elegischen Thema, das von Nabatovs Klavierimprovisationen aufgelöst und gegen Ende wieder von den Streichern aufgegriffen wird. Auch das Stück Stern Looks hat den Gegensatz von Klavier und Streicher als Struktur. Schnelles Rhythmisches Piano im Wechsel mit lyrischen Streicherimprovisationen durch einen Moment Stille voneinander getrennt. In Sunrise Twice improvisiert Nabatov über die stehenden Klangflächen der Streicher und schafft das Tongemälde eines Sonnenaufgangs im Stile des Impressionismus. Das Stück Sunrise Twice ist nun nach den Alben Monk`n More und Roundup zum dritten Mal in unterschiedlicher Fassung auf einer CD von Nabatov.

In Temper Issues spielt Nabatov mit Stimmungswechseln, so wird das minimalistische leise Piano immer wieder durch “kleine Ausbrüche“ der Streicher konterkariert, bzw. im zweiten Teil die ruhigen Streicher durch ein wildes Piano.

Das energetisch-chaotische Schlussstück Meta Morph beruhigt sich im letzten Drittel seiner zehn Minuten Dauer und läst die wunderbare CD mit entspannter Late Night Musik ausklingen.

Die Beispiele zeigen die Vielfalt und Abwechslung, die auf Situations zu finden sind. Es werden immer neue Räume ausgelotet und die europäische Klassik dient dabei als Ausgangspunkt für das Wirken von drei höchst kreativen Musikern. Die CD wurde im Kölner Loft aufgenommen von Christian Heck.

Situations - Leo Records CD LR 826

Simon Nabatov – Piano

Gareth Lubbe – Viola

Ben Davis – Cello

Siehe auch die Rezension von Simon Nabatovs CD Free Reservoir:

http://nrwjazz.net/jazzreports/2017/Free_Reservoir_Simon_Nabatov/