Festivals in NRW

Don`t believe the Hype |

Die echte Trinkhallentour findet JETZT statt!

Text & Fotos: Stefan Pieper

Essen, 18.07.2018 | Seit 2010 verwandelt die Trinkhallen-Tour-RuhrKioske und Trinkhallen im Ruhrgebiet jeden Sommer in Bühnen für musikalische Abenteuerlust und performative Experimente. Künstlerischer Austausch, ungeahnte Klänge und der offene Dialog mit dem Publikum stehen dabei im Mittelpunkt. Freie Improviation trifft auf Jazz, Avantgarde auf Trash und postdramatisches Theater auf die blanke Realität. Die Kommunikation mit dem - ruhrgebietstypisch multikulturellen - Laufpublikum ist dabei in jedem Moment erfrischend unvorhersehbar. Also ist bei jeder Invasion der schrägen Performer die Auszeit aus der Normalität vorprogrammiert. Vom 16. bis 27. Juli ist es wieder so weit: Insgesamt neunzehn Ruhrgebiets-Büdchen stehen auf dem Tourplan – erstmalig gibt es in diesem Jahr auch Tanz, Puppenspiel Videokunst und Physical Theatre zu erleben.

Die Menschen wollen die Konfrontation mit dem Unbekannten. „Verstehen“ müsse man hierbei nicht alles, „schließlich sei Musik ja keine Mathe-Aufgabe“, wie es einmal ein Zuschauer in Bottrop auf den Punkt brachte.

Mit dabei sind in der ersten Woche Gäste aus der diesjährigen Partnerregion Manchester/Nordengland, die mit einer vergleichbaren Arbeiterkultur aufwartet. Ab September gibt es dort eine eigene Trinkhallen Tour International. Nach insgesamt über 100 Auftritten sind sich die Macher der beliebten Veranstaltungsreihe sicher:

Die Trinkhallen-Tour Ruhr ist auf Betreiben des damaligen jazzwerks ruhr als Projekt der freien Szene im Kulturhauptstadtjahr 2010 entstanden und hat – im Gegensatz zu vielen längst wieder verstummten großen Inszenierungen im Rahmen von Ruhr 2010 – überlebt. Sie ist sogar dank bereitwilliger Unterstützung durch kommunale Kulturbüros weitergewachsen. Seit vorletztem Jahr beklagen die Macher der Tour einen dreisten Ideenklau. Mit riesigem Marketingaufwand durch die Ruhr Tourismus GmbH wird ein „Tag der Trinkhallen“ beworben, der wohl eher auf eine folkloristische Inszenierung der Ruhrgebiets-Budenkultur abzieht, aber wohl nichts mit den künstlerischen Ambitionen des „Originals“ zu tun hat. In mancher Ankündigungsmeldung für den „Tag der Trinkhallen“ werden die Leser sogar beruhigt, dass man am sogenannten Tag der Trinkhallen „keinen Freejazz“ befürchten müsse. Wer genug Geld ins Marketing investieren kann, wird wahrgenommen, was anscheinend hier mal wieder zu Lasten der freien Szene geht. Warum können nicht alle Akteure an einem Strang ziehen und etwas gemeinsames auf die Beine stellen? Selbst Fachzeitschriften fielen auf die Verwechslung herein, in dem sie nicht die Trinkhallentour der Essener Jazzoffensive, sondern den touristischen „Tag der Trinkhallen“ in der Rubrik Jazzveranstaltung ankündigte. Thema verfehlt, kann man da nur sagen! Don`t believe the Hype: Die nächsten Spielorte sind Oberhausen, Essen und Duisburg. Hingehen und selber erleben!

Weitere Infos unter

www.trinkhallentour.ruhr

Tourdaten:In der ersten Woche mit David Birchall (Gitarre) & Greta Buitkute (Stimme) aus Manchester:16. Juli / 17:00 / Bochum
16. Juli
/ 19:00 / Recklinghausen17. Juli / 19:00 / Oberhausen18. Juli / 17:00 / Essen
18. Juli
/ 19:00 / Essen19. Juli / 19:00 / Duisburg20. Juli / 16:00 - 20:00 / Dortmund-Special Zweite Woche mit Schwerpunkt „Performance“:23. Juli / 17:00 / Gladbeck
(feat. "Die Gräfin" – Puppenspiel)23. Juli / 19:00 / Witten
(feat. SÄCHSISCHE SCHWEIZ kollektiv – physical theatre)24. Juli / 17:00 / Gladbeck
(feat. Anastasija Delidova – Video)24. Juli / 19:00 / Mülheim a.d.R.
(feat. Sara Hasenbrink – Puppenspiel)25. Juli / 17:00 / Gelsenkirchen
(feat. Katharina Sim – Tanz)25. Juli / 19:00 / Gelsenkirchen
(feat. Marita Bullmann – Installation)26. Juli / 19:00 / Bottrop
(feat. Kanako Minami – Tanz)27. Juli / 17:00 / Essen27. Juli / 19:00 / Essen
(feat. Tim Cecatka & Camila Scholtbach – Tanz)