Festivals in NRW

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raumzeit-Festival 2011 im Landschaftspark Duisburg-Nord

Text & Fotos: Christoph Giese

Duisburg, 04.07.2011 | Ohne Ohrenstöpsel geht es bei diesem Trio nicht. Wer keine dabei hatte, hielt sich in der Pumpenhalle die Ohren zu. „Zu“, so heißt auch der Dreier aus Italien, der beim Traumzeit-Festival mit Baritonsaxofon, Schlagzeug und E-Bass dem Publikum einen infernalisch lauten, auf die Dauer aber doch recht einseitigen Höllen-Mix aus Free-Jazz, Noise, Punk und Metal entgegenschleuderte.

Nur gut 200 Meter weiter spielt zur gleichen Zeit der norwegische Gitarrist, Pianist und Sänger Jarle Bernhoft open air auf einer Bühne vor dem Gasometer des Landschaftsparks Duisburg-Nord, dem einmal mehr bezaubernden Spielort der Traumzeit.

Singer/Songwriting mit kräftigem Souleinschlag einer starken Stimme – die One-Man-Band Bernhoft sampelt etwa sein Gitarrenspiel und animiert dazu noch sein Publikum. Ein prima Unterhalter.

Bunt gemischt ist das Programm des dreitägigen Festivals. Die schottische Postrock-Band Mogwai tritt da ebenso auf wie US-Jazzstar Branford Marsalis, der im Duo mit dem Pianisten Joey Calderazzo zwar immer hoch virtuos aufspielte, aber oft Seele in seiner Musik vermissen ließ.

Die hatte die Esperanza Spalding Chamber Music Society dafür reichlich. Auf der in der Mitte des Publikums aufgebauten, ebenerdigen Bühne, die mit Sofa, Sesseln und warmen Lampen die riesige Kraftzentrale in ein heimeliges Wohnzimmer verwandelte, verblüffte die so hoch gehandelte, junge US-Bassistin und Sängerin, die ein Jazztrio mit Streichern und einer weiteren Stimme, groovenden Akustik-Jazz geschickt und schlüssig mit Kammermusik kombinierte. Ein Crossover mit vielen berührenden Momenten.

Igmar Thomas & The Cypher präsentierten dagegen knalligen HipHop-Jazz, der hörbar im schwarzen Jazz wurzelte und beide Stilarten herrlich fließend ineinander laufen ließ. Mit dem Rapper Raydar Ellis hatte der US-Trompeter zudem einen geschmeidigen Wortreimer mit dabei.

Sebastian Gramms (Bass), Rudi Mahall (Bassklarinette) und Erwin Ditzner (Schlagzeug) präsentierten sich in Duisburg als mit weit geöffnetem Visier agierendes Jazztrio, das aber mit seinen Improvisationen dennoch viel zu selten packende Ideen entwickelte.

Das machte die französische Schlagwerkerin Anne Paceo mit ihrem Trio „Triphase“ besser. Und wer in Duisburg die fünf Österreicher von „Bauchklang“ gehört hat, weiß: Um mitreißende Musik zu machen, braucht es nicht unbedingt Instrumente. Es geht auch a-cappella, nur mit Stimmen und Mikrofon.