Hymnische Geschichtenerzähler |

Reis-Demuth-Wiltgen bei FineArtJazz

Text & Fotos: Christoph Giese

Gelsenkirchen, 29.01.2016 | Als erstes wird man von den Melodien gepackt. Weil sie so schön sind und eingängig, ohne dabei auch nur im Ansatz banal oder irgendwie kitschig zu klingen. Pianist Michel Reis, Kontrabassist Marc Demuth und Schlagzeuger Paul Wiltgen sind zudem alle drei Ästheten auf ihren Instrumenten. Und vor allem können sie feine musikalische Geschichten erzählen.

„Mirage“ ist so eine Geschichte. Das Thema des Eröffnungsliedes der bislang einzigen CD des luxemburgischen Trios, das aber schon mehr als eine Dekade zusammenspielt und eine zweite Platte gerade in Angriff nimmt, ist unheimlich stark, rhythmisch tänzelnd, und sofort drin im Ohr. Und dann wird es nach einer ganzen Weile zum Ausgangspunkt für eine Kommunikation untereinander, die richtig Fahrt aufnimmt, nach vorne getrieben von groovenden Basslinien und spritzigem, quirligen Schlagzeugspiel. In immer emotionalere, ja hymnische Höhen.

Das Spiel von Melodie, Groove und vielschichtigen Rhythmen beherrscht dieses Trio, das eine europäische Klangsprache prima mit amerikanischen Jazzstrukturen zu kreuzen weiß. Und sich dabei immer als auch gleichberechtigte Einheit präsentiert – was der aus den Nachnamen gebildete Bandname dieses formidablen Dreiers ja schon nahelegt.

„Reis – Demuth – Wiltgen“ erfinden bei ihrem Auftritt auf der Burg Lüttinghoff im Rahmen der Konzertreihe „FineArtJazz“ das Klaviertrio im Jazz zwar nicht neu, die drei sympathischen Musiker haben an diesem Abend aber reihenweise spannende, immer wieder hymnische Stücke Musik in ihrem Programm, an denen man sich kaum satt hören kann.