CD-Besprechung

Kristina Brodersen & Tobias Weindorf |

Rabaneo

Text: Stefan Pieper

Köln, 27.09.2014 | Zusammenleben, eine Familie gründen und zugleich beruflich-künstlerisch Strang ziehen ist die Saxofonistin Kristina Brodersen und den Pianisten Tobias Weindorf erklärtermaßen ein Lebenselixier. Solch tiefe Vertrautheit wird auf ihrem jüngsten Duo-Album „Rabaneo“ unmittelbar in Musik „übersetzt“. Ohne jeden Erwartungsdruck, dass so schnell wie möglich ein Album herauskommen soll, gingen die beiden im letzten Jahr in ein Aufnahmestudio vom Kölner LOFT und fingen an, sich locker und spielerisch auszutoben. Und heraus kam in kürzester Zeit: ein fertiges Album!

„Rabaneo“ klingt wie ein schöner, etwas exotischer Name - war aber ein Fantasiewort des dreijährigen Sohnes, von Kristina Brodersen und Tobias Weindorf. Schon die Namensgebung deutet darauf hin, dass hier ein besonders persönliches Statement abgegeben wird. Die Saxofonistin und der Pianist, beide in Köln lebend, sind privat wie künstlerisch ein Paar – und in ihrem Spiel lebt folgerichtig eine selbstverständliche Symbiose und viel verschränktes Miteinander. Da leben tief verstandene und intuitiv ausgeforschte Idiome aus reicher Jazzhistorie. Aber die beiden demonstrieren nicht einfach schnöde, was sie studiert und gelernt haben, sondern kreieren ihren ganz persönlichen musikalischen Flow auf den neun Stücken dieses Albums. Der Hörer darf auf jeden Fall an viel Verspieltheit teilhaben. Da sind die herrlich sanglichen Linien auf dem Altsax und das glasklare, ausgesprochen raffinierte Spiel mit Skalen und Läufen auf dem Piano. Alles atmet so organisch. Sämtliche stilistische Bezüge wirken tief verinnerlicht wie das Vokabular einer Sprache, die nur zwei miteinander bestens Vertraute sprechen können. Wohl gemerkt wie solche, die sich nach wie vor -trotz gemeinsamem Alltag- ganz viel zu sagen haben!

Ein aufgewecktes Cooljazz-Feeling atmet, wenn Kristina Brodersen ihrem musikalischen „Ziehvater“ Lee Konitz huldigt. In anderen Momenten erzeugt Tobias Weindorf jene atmosphärische Melancholie, wie sie manchen ECM-Aufnahmen eigen ist. Weindorfs Pianistik legt hier vor allem die Prägung durch John Taylor offen, bei dem er Jazzpiano studiert hat. Mit Ecken und Kanten swingt es drauflos, wenn Monkscher Nonkonformis viele kreative Unruhe verbreitet. Und Brodersen/Weindorf agieren so leichtfüßig, wenn sie aus so vielen Bezügen einen organischen Bogen formen und im Gleichklang atmen.

CD

Kristina Brodersen/Tobias Weindorf

Rabaneo

AJazz 2014