CD-Besprechung

Deep Schrott |

„The Dark Side Of Deep Schrott Vol. 1“

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 01.01.2014 | Saxophon-Quartette sind im Jazz, im klassischen Repertoire und in den dazwischen liegenden Genres nichts Außergewöhnliches, im Gegenteil: Die verschiedenen Klangfarben von vier Vertretern der Saxophon-Familie werden gut für ein Satzspiel in kleiner Besetzung - in der Regel vom Sopran- bis zum Bariton-Saxophon - genutzt. Eher außerhalb des Regeleinsatzes liegt das wuchtige Bass-Saxophon, erst recht völlig ungewöhnlich ist eine „Mono“-Besetzung eines Saxophon-Quartetts mit nur einer Klangfarbe, ganz einzigartig ist ein solches mit vier Bass-Saxophonen (!). Weltweit als „einziges Bass-Saxophon-Quartett“ firmiert die Gruppe ‚Deep Schrott‘ – und das nicht nur im Live-Event, sondern auch mit ihrer gerade veröffentlichten mittlerweile dritten CD, betitelt mit „The Dark Side Of Deep Schrott Vol. 1“.

Auf dieser CD nimmt sich das Quartett mit den vier Elefanten-Instrumenten neben eigenen Kompositionen der Musik von Black Sabbath, Alice Cooper, Nirvana, Angelo Badalamenti, The Doors, System of a Down, David Bowie und The Residents an. Bei bekannten und vertrauten, aber durch den Blaswolf gedrehten Titeln wie ‚Smells Like Teen Spirit‘, ‚Black Sabbath‘, ‚Iron Man‘, ‚Paranoid‘ oder ‚The End‘ greift das Quartett – wie schon in ihrer vorangegangen Dylan- und Eisler-CD - auf eher jazzfremde Idiome zurück, die in der Transformation in das Satzspiel der Tiefsttöner durchaus „jazzig“ klingen und richtig schwingen. Wer glaubt, dass vierfach in den Keller transponierte Musik monoton klänge, wird schnell eines Besseren belehrt. Dem Quartett gelingt schier Unglaubliches: Vier Saxophone in Bass-Lage zusammenzubringen, ist nicht nur originell, die Umsetzung von Deep Schrott ist in den Tonhöhen (besser: -tiefen) des Instruments äußerst differenziert. Melodie-, Akkord- und Rhythmusspur sind raffiniert aufeinander bezogen und abgestimmt. Dass Tieftöner selbstredend – gerade bei rockorientierter Metal-Musik – die rhythmischen Riffs übernehmen und effektbetont übersetzen, ist für ein Saxophon-Quartett erwartbar. Dass jedoch im Tonsatz auch auf Bass-Höhe Akkorde und Melodien gleichzeitig richtig gut klingen, dass instrumentelle Monster wie Bass-Saxos zu behenden Läufen bei Soloeinlagen eingesetzt werden, das lässt auf ein großes musikalisches Feingefühl, auf eine kompositorische und improvisatorische Meisterschaft der vier Musiker schließen. Der Musik von Deep Schrott hört man an, dass Wollie Kaiser, Andreas Kaling, Jan Klare und Dirk Raulf perfekt eingespielt sind und mit technischer Brillanz und auch Witz ihre Instrumenten-Jumbos zum Tanzen bringen. Die Eigenkompositionen und Arrangements sind hochintelligente und –virtuose Beispiele für präzise und poetische Blasmusik – und dies ist erst recht vor dem Hintergrund der wirklich außerordentlichen Instrumentierung erstaunlich. „Vol. 1“ weckt die Erwartung auf eine wie auch immer geartete Fortsetzung – man darf gespannt sein.

Erscheint im Januar 2014 beim Kölner Label POISE

Die Tourtermine:

Januar 2014

Freitag, 17. Januar, Hassloch, Kulturviereck
Samstag, 18. Januar, Sarreguemines/F, Terminus
Dienstag, 21. Januar , Bergneustadt, Festival
Mittwoch, 22. Januar, Köln, Kulturkirche (Release Concert)
Donnerstag, 23. Januar, Bonn, Buchladen 46
Freitag, 24. Januar, Kassel, Theater im Fridericianum
Samstag, 25. Januar, Bielefeld, Bunker Ulmenwall

März - Juli 2014

Samstag, 8. März , Gravenhorst, Festival
Donnerstag, 3. April, Bonn, Landesmuseum
Dienstag, 6. Mai, Bonn, Landesmuseum (Doppelkonzert mit Dirk Raulf Orchestra feat. Meret Becker)
Mittwoch, 7. Mai, Duisburg, Gramatikoff (mit Dirk Raulf Orchestra feat. Meret Becker)
Donnerstag, 8. Mai, Köln, Kulturkirche (mit Dirk Raulf Orchestra feat. Meret Becker)
Freitag, 9. Mai, Bergneustadt, Krawinkelsaal (mit Dirk Raulf Orch. feat. Meret Becker)
Samstag, 10. Mai, Essen, Zeche Carl (mit Dirk Raulf Orchestra feat. Meret Becker)
Sonntag, 11. Mai, Kassel, Theaterstübchen (mit Dirk Raulf Orch. feat. Meret Becker)