CD-Besprechung

Quintet West |

Westwind

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 18.05.2015 | Schon von dem Quintett Quintet West gehört? Nein? Keine Sorge, das geht auch kaum, spielen die fünf Rheinländer mit ihren verschiedenen Wurzeln und internationalen Erfahrungen erst seit kurzer Zeit in dieser Konstellation zusammen. George Tjong Ayong (Sax), Christoph Fischer (Trompete, Flügelhorn), Stefan Michalke (Klavier, Fender Rhodes), Konstantin Winstroer (Bass) und Christoph Freier (Drums) haben sich ursprünglich für ein einziges Konzert getroffen und dabei „harmonische“ Übereinstimmungen festgestellt. Das Ergebnis ihres kooperativen Treffens ist jetzt ihrem Debutalbum zu entnehmen: Westwind. Und da kommt in der Tat eine frische musikalische Brise aus dem Westen herübergeweht. In den 12 Kompositionen aus den unterschiedlichen Federn der Bandmitglieder präsentieren die international erfahrenen Musiker frischen Modern Jazz.

Bereits der titelgebende Opener zeugt von der Stärke des Quintetts: Die Bläsersektion gibt ein ostinates eingängiges Thema vor, Sax und Trompete lassen sich in einem virtuosen Solo aus, das übergeht zum Solospiel des Komponisten am Piano. Nach den Chorussen findet man zum Ensemblespiel zurück. Bei allem konventionellen Aufbau: Die Stücke sind klug arrangiert, gerade Christoph Fischers Trompete und Flügelhorn und George Tjong Ayong am Tenor-und Sopransax sind wunderbar aufeinander abgestimmt und erzeugen mit ihrem kristallklaren Bläsersatz einen homogenen Klangraum, der an die vielen Vorbilder in dieser Konstellation im traditionellen Jazz erinnert. Die feinsinnigen Arrangements könnten leicht die Folie für größere Besetzungen bilden, im Quintett lassen sie eine Konzentration auf den musikalischen Kern zu. In anderen Stücken wie Regensommer zum Beispiel findet das perlende Intro mit den Keys-Klängen aus Stefan Michalkes Fender Rhodes eine wunderbare Entsprechung zu dem Sopran-Sax. Stilistisch zeigt die CD eine gewisse Bandbreite: langsame elegische Stücke (Still), swingender Blues (This blues is meiner, Miss Orleans), leicht beschwingter Reggae (Mandalay), eine Uptempo-Nummer (Nachtfahrt) oder ein grooviges No Exit. Westwind ist sicherlich frei von experimentellen Ausbrüchen oder technischen Sperenzchen, geboten wird schnörkelloser straighter Traditionsjazz mit hervorragenden Musikern. Die musikalische Brise aus dem Westen ist insgesamt eher melodiös geprägt, die Stücke sind zum Teil mitsingfähig, zum Teil an der Grenze der Gefälligkeit, Gefallen finden sie bestimmt in ihrer lichten freundlichen Art.

JazzSick Records 5081JS