Gesänge nicht von dieser Welt |

About Aphrodite im domicil

Text & Fotos: Stefan Pieper

Dortmund, 02.10.2019 | Es ist immer bereichernd, an der Weiterentwicklung von Musikern und Bands teilzuhaben: Auch das Duo „About Aphrodite“ hat kontinuierlich immer neue Elemente in sein Klangkonzept integriert. Von jetzt ab beginnt aber eine neue Zeitrechnung – nämlich in Triobesetzung. Fortan bereichert der Schlagzeuger Jaime Moraga Vasquez die Band. Mehr noch: Für ihr neues Projekt, das bald auch auf CD verewigt werden soll, holten sie gleich noch ein Streichquartett bestehend aus Musiker der Duisburger Philharmoniker auf die Bühne. Und wenn das noch nicht reicht: Gilda Razani, die ja schon als Theremin-Spielerin die Hör-Horizonte erweitert hat, präsentierte im Dortmunder Domicil ein neuartiges Instrument: Soma Pipe nennt sich eine Art Synthesizer, der aus geblasenen Luftströmen elektronische Klänge ganz nach Wunsch kreiiert und moduliert.

Das Resultat im Dortmunder domicil: Diese Klangwelt entrückt und führt in andere Sphären- und wie! Sie schöpft zuhauf magische Momente aus dem Miteinander von elektronischer Klangsynthese und akustischen Instrumenten. Vor allem die Streicher-Arrangements bringen neue sinnliche Farben ins Spiel. Elektronische Instrumente werden als das, was sie sind, expressiv genutzt und dienen nicht nur als harmonische „Raumfüller“. Hanns Wanning spielt seine

Tasteninstrument mal jazzig, dann wieder so artifiziell romantisch anmutet und oft betont expressiv – auch so manch „nordische“ Klanglandschaft entsteht dabei, was wiederum ein guter Nährboden für Gilda Razanis mystisch schwebendes Sopransaxofonspiel darstellt. Und sie wird zur Zeremonienmeisterin, wenn beim Theremin-Spiel ihre Hände im scheinbar unsichtbaren Raum imaginäre „Saiten“ in Schwingungen versetzt. Mal sehr zart und fragil, im nächsten Moment psychedelisch.

Für eine ganz neue Taktung sorgt der neue Schlagzeuger: Schneidend präzise trommelt er vorzugsweise auf Snare und ihrem Rand sowie dem Hihat - ähnlich wie es im Dub oder Reggae üblich ist, hier aber in mannigfaltige Ausdifferenzierungen mündet. Und dann kommt Gilda Razani auf diesem neuartigen Instrument ins Spiel: Sensoren innen drin tasten den Luftstrom ab, der wiederum setzt Prozesse der Klangsythese frei. Schwebende, imaginäre Chöre und Stimmen breiten sich aus, die nicht mehr von dieser Welt scheinen. Derweil die Band mit ihrem repetitiven Groove pulsiert und ihr Publikum über den ganzen Abend lang hypnotisiert...