Angelika Niescier NY Trio |

Energiegeladen und virtuos im Stadtgarten

Text & Fotos: Vera Marzinski

Köln, 10.06.2019 | Energiegeladen und virtuos ist nicht nur das Spieltempo der drei Musiker. Das „Angelika Niescier New York Trio feat. Chris Tordini, Gerald Cleaver“ nimmt mit auf eine hochgradig komplexe musikalische Reise.

Angelika Niescier spielt u.a. mit Jazzgrößen wie Joachim Kühn, Steve Swallow, Jim Black, Sylvie Courvoisier, Nasheet Waits, Ralph Alessi, Tyshawn Sorey, Achim Kaufmann und Gerry Hemingway – kein Grund für sie um abzuheben. Höchstens musikalisch. Sie ist einfach unkonventionell und authentisch. Was man auch bei ihren Ansagen merkt. Nichts Aufgesetztes ist dabei und in der Pause sowie nach dem Konzert plaudert sie mit den Gästen. „Normal“ ist allerdings eins nicht: ihre Musik. Die ist ganz speziell. „Außergewöhnlich inspiriert" und "klangmutig" - so sah die Jury die deutsche Saxophonistin und Komponistin anlässlich der Verleihung des "Albert-Mangelsdorff-Preises“ 2017. Und das bestätigt sie in jedem Konzert.

Spritzig und rasant könnte man das Konzert mit Chris Tordini und Gerald Cleaver im Kölner Stadtgarten bezeichnen. Aber auch mit viel Spannung die mal mit filigranen, fast lautlosen Klängen und dann wieder aufbrausend heftig sind. So auch das „Like Sheep, Looking Up“. Dazu inspirierte Since-Fiction Autor John Brunner mit einer seiner Veröffentlichungen die Saxophonistin. Mehr als filigran streicht hier Cleaver mit dem Besen über das Becken seines Schlagzeugs und Tordini mit dem Bogen über die Basssaiten. Auch zu „The search“ gibt es einen Ansatz einer Geschichte. Angelika Niescier spielt allerdings lieber, als diese ausführlich auszuführen. Aber die kurze Einführung reicht vollkommen aus, um die Komposition besser zu verstehen. Hier weist sie auf das „brizzeln“ hin, dass man bei elektronischer Spannung hört. Was aber auch durch Stressklänge verursacht werden kann, denn „wir werden wegen all der ständigen Informationen auf einem Stresslevel gehalten“. Da gibt es gleich einen heftigen, brizzelnden Anfang für das Stück. Zudem gibt es noch eine eigene Version des „Liquid Stone“ sowie das „5.8“, „Cold Epiphany“ und „…ish“. Zwei grandiose Sets boten die drei Musiker dem Publikum an diesem Abend im Stadtgarten Köln.

Chris Tordini und Niescier arbeiten bereits seit zehn Jahren zusammen und Gerald Cleaver ist ebenfalls ein langjähriger Wegbegleiter der beiden. Die 1970 in Polen geborene Saxophonistin, die mit elf Jahren nach Deutschland zog, erforscht mit ihrem NYC Trio um Chris Tordini am Bass und Gerald Cleaver am Schlagzeug mit großer stilistischer Offenheit die verschiedensten Aspekte eines Zusammenspiels. Dabei ist dies immer spannungsgeladen und fokussiert auf den Augenblick. Die Jazzvirtuosin spielt mit einem kraftvollen, ungeheuer wandlungsfähigen Ton und ist in etlichen Formen zwischen Solo, Duo und Trio unterwegs. Außerdem mit ihrem Quartett „Sublim“ und vielen anderen Bands bis hin zum „German Women Jazz Orchestra“. Von ihrem deutsch-amerikanischen Quintett erschien 2016 "NYC Five".Chris Tordini und Gerald Cleaver zählen zu den „finest players“ in NY. Cleaver gewann u.a. die Polls des Down Beat in der Kategorie Rising Star und spielt mit allen Heroen des Jazz von Chris Potter über Bill Frisell bis Tomasz Stanko. Chris Tordini tourt mit Becca Stevens, Jim Black und Chris Speed und ist Tyshawn Soreys langjähriger Rhythmusgruppen-Partner.

Im April 2019 spielten die drei Gemeinsam mit Trompeter Jonathan Finlayson eine neue CD ein: „ANGELIKA NIESCI ER NEW YORK TRIO FEAT. JONATHAN FINLAYSON“ Intakt CD 321