Festivals in NRW

Fulminantes Abschlusskonzert des Multiphonics Festivals |

Kinan Azmeh CityBand in der Kölner Philharmonie

Text: Uwe Bräutigam | Fotos: Uwe Bräutigam und Peter Rytz (Dortmund)

Köln, 17.10.2019 | Kinan Azmeh macht Musik an der Schnittstelle von Ost und West, jenseits von starren Genrebegriffen wie Jazz oder Weltmusik. In der Kölner Philharmonie verzaubert er das Publikum über mehr als eineinhalb Stunden, die wie im Flug vergehen. Die Band beginnt mit der Ballade 22.November (aus der CD Elastic City 2013). Ein Stück mit dem Kinan Azmeh, der aus der Nähe von Damaskus stammt und seit über 20 Jahren in New York lebt, das Thema Heimat aufgreift. Weit weg von seiner eigentlichen Heimat sein und doch ein Gefühl von Heimat zu haben. Erst gibt Klarinette gibt in leisen Tönen das Thema vor, dann setzen Gitarre, Bass und Schlagzeug sehr behutsam ein und schließlich führt Kyle Sanna mit seiner Gitarre das Thema weiter und die Klarinette schweigt. Die zwei Melodieinstrumente in der Band sorgen für wechselnde Klangfarben, die das Publikum in ihren Bann ziehen, vor allem bei dem herausragenden Gitarristen Sanna. Auch in den folgenden Stücken teilen sich Klarinette und Gitarre die Melodieführung. Die Höhenflüge von Kinan Azmehs Klarinette und Kyle Sannas Gitarre werden vom Bassisten Josh Myers und dem Schlagzeuger John Hadfield mit viel Feingefühl gestützt. Beide Musiker setzen zusätzlich wichtige Impulse für die Musik der Band. Myers spielt sowohl elektrischen als auch akustischen Bass und Hadfield ist sowohl als Drummer als auch als Perkussionist auf Rahmentrommel und Cajon ein sensibler Rhythmusgeber.

Durch die Musik zieht sich wie ein roter Faden die Frage von Heimat und Fremdheit. Im Stück Airport war die Einteilung am New Yorker Flughafen in Citizen und Others die Inspiration zur Musik. Kinan Azmeh widmet das Lied allen, die irgendwo auf der Welt zu den `others` gehören. Azmeh ist ein Weltbürger obwohl er seine Heimat in Syrien nicht vergessen hat. Wenn er dem kleinen Dorf seiner Großeltern in Syrien ein Lied widmet, dann greift er eine traditionelle Melodie auf und arrangiert sie in einem neuen Gewand. Das Stück beschwört Bilder aus der noch unzerstörten Natur seiner Kindheit in Syrien.

Das letzte Stück Wedding, wohl das bekannteste Stück von Kinan Azmeh, hat für den Musiker einen Bedeutungswandel durchlaufen. Er widmet es nun all den jungen Paaren, die sich trotz Krieg und Zerstörung ineinander verlieben. Das Recht auf Liebe sei ein Menschenrecht, das stärker als Kriege sei, dies sei seine Hoffnung.

Wedding ist ein ausgelassenes Stück, das eine ländliche Hochzeit musikalisch bebildert.

Das Publikum gibt der Kinan Azmeh CityBand emphatischen Beifall und der sympathische Musiker aus Syrien/USA muss mit seiner Band zwei Zugaben spielen.

Ein fulminanter Abschluss für das 6. Multiphonics Festival. Wenn wir die Konzerte in Köln Revue passieren lassen, (über das Gastspiel in Dortmund hat Peter Rytz berichtet:

https://nrwjazz.net/jazzreports/2019/Klarinetten-Power-Festival/ )

dann sind die drei Konzerte von Joris Roelofs, dem Artist in Residence, besonders bemerkenswert. Zuerst war Roelofs bei Paul Heller und seiner Band zu Gast, dann spielte die Festival Band Annette Mayes Multiphonics7 Kompositionen von ihm und als letztes gab es ein Duo mit dem holländische Jazz und Improvisationsmusik Urgestein Han Brennik. Alle drei Konzerte waren Highlights. Ganz großes Kino war auch ein Abend Im Loft mit Michael Riessler am Basssaxophon, der einen Stummfilm life begleitete und das Duo Jürgen Kupke, Klarinette und Hannes Zerbe am Klavier, die Musik von Hans Eisler darboten. Neben diesen Höhepunkten gab es noch weitere spannende Konzerte, wie das der Band Edi Nulz, die Elemente von Indie Rock und Punk mit Jazz verschmolz oder Jan Galega Brönnimann, der mit elektronisch bearbeiteter Bassklarinette und visuellen Projektionen arbeitete. Nicht zuletzt gaben auch das Taksim Trio aus Istanbul, Alex Simu und Band sowiet Pepe Auers White Noise ihren Beitrag zur Vielfalt des Festivals. Musik aus unterschiedlichen Kulturen, vielfältige Stile und ihre kreative Fusion, gehörten ebenso zum Festival, wie die Präsentation der Vielfalt der Klarinettenfamile, von der S-Klarnette bis zur Bassklarinette, von der Kontrabassklarinette bis zur seltenen Clarinette d´amour.

Hier alle Berichte über die Kölner Konzerte:

https://nrwjazz.net/jazzreports/2019/Riessler_Zerbe_Kupke_Multiphonics_Festival_im_Loft/

https://nrwjazz.net/jazzreports/2019/Jan_Broennimann_Edi_Nulz_Multiphonics_Loft/

https://nrwjazz.net/jazzreports/2019/Annette_Maye_Multiphonics7_Pepe_Auer_Altes_Pfandhaus/

https://nrwjazz.net/jazzreports/2019/Multiphonics_Taksim_Trio_Benning_Roelofs_Alex_Simu_Quintet_/

www.multiphonics-festival.com