Festivals in NRW

Multiphonics Festival VI |

Taksim Trio / Bennink & Roelofs / Alex Simu Quintet

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 15.10.2019 | Am Wochenende gab es in Köln an zwei Tagen drei Konzerte des Multiphonics Festivals, im Gloria Theater und im Alten Pfandhaus.

Samstag, 12.10.: Taksim Trio wird im ausverkauften Gloria Theater gefeiert

Schon als das Trio die Bühne betritt geht ein Beifallssturm los. Hüsnü Selendirici an der Klarinette, Ismael Tuncbilek an der Baglama (türkische Laute) und Aytac Dogan am Kanun (eine Kastenzither) werden in der Türkei wie Popstars behandelt. Das Trio spielt traditionelle türkische Musik, in die es Elemente von Jazz, Pop und Klassik integriert. Mit dieser Musik verkörpert dieses Trio den Geist der Stadt Instanbul als Schnittstelle der europäischen und vorderasiatischen Kultur. Die drei Musiker haben mit unterschiedlichsten Musikern aus verschiedenen Kulturen zusammengearbeitet, von Funkbands bis zu klassischen arabischen Ensembles, von der Münchener Band Embryo bis zu Paco de Lucia.

Diese vielfältigen Einflüsse fließen in ihre traditionelle Musik ein und bilden eine Form neuer türkischer Volksmusik. Der Baglama Spieler Ismael Tuncbilek, ein ausgebildeter Sänger, sang im zweiten Teil des Konzertes auch einige Lieder. Das meist türkische Publikum kannte die Texte und sang mit. Neben dem Gesang ist Tuncbilek vor allem ein Lautenvirtuose. Über die großartig gespielten Saiteninstrumente Kanun (Zither) und Baglama (Laute) spielt Hüsnü Selendirici seine Klarinette, die wie eine Gesangsstimme klingt.

Das Publikum feierte das Taksim Trio mit stehenden Ovationen und nach dem Konzert stand am Künstlereingang eine große Menschenmenge, die Autogramme haben wollte.

Sonntag, 13.10. Ein Doppelkonzert im Alten Pfandhaus

Als erstes spielte das Duo Han Bennink & Joris Roelofs mit dem Programm Ikarus, nach ihrem aktuellen Album benannt. Joris Roelofs, der Artist in Residence, spielte Bassklarinette und Han Benning meist auf dem Schlagzeug, aber auch auf dem Fußboden, den Sitzen oder dem Teppich. Der 77 jährige Bennink ist ein lebendes Energiebündel, dagegen wirkte der 35 jährige Roloefs fast schon gesetzt. Aber Han Benning ist kein Haudrauf Schlagzeuger, sondern orientiert sich ganz an der Musik und seinem Mitspieler. Wenn es die Musik verlangt kann er wilde Free Jazz Passagen spielen, aber an anderen Stellen spielt er klassische Jazzbegleitung, von sehr subtil bis freaky reicht seine Bandbreite. Trotz seiner kleinen Schaueinlagen, ist er immer am Puls der Musik ohne wenn und aber. Das Programm reicht von Kurt Weil Stücken (This Is New) bis zu einer Adaption aus der Bizet Oper Carmen. Joris Roelofs spielt brillant auf seiner Bassklarinette und Han Bennink ist ein unglaublich erfindungsreicher Drummer. Der Gegensatz des melodiös geprägten Spiels Roelofs zu den Schlagzeugimprovisationen bringt die besondere Farbe in das Duo.

Ein Stück ist dem weißen Pudel des Philosophen Schopenhauer gewidmet, der kein Glück bei den Frauen hatte und dessen Liebe so auf den Hund kam. Joris Roloefs erzählte dazu ein paar skurrile Anekdoten aus Schopenhauers Leben, die Han Bennink knapp kommentierte: „Ich habe auch einen weißen Hund. Hat einer meinen Hund gesehen?“ Die kleine Geschichte lockerte das Konzert auf, aber das wichtigste war die herausragende Musik und das großartige Zusammenspiel der beiden Musiker. Neben Annete Maye & Multiphonics 7, die Roelofs Kompositionen spielten, war dies ein weiteres Highlight vom Improviser in Residence.

Den Abschluss des Abends bildet das Konzert von Alex Simu, der mit Franz von Chossy am Klavier, George Dumitriu an Viola und Gitarre und Kristijan Krajncan am Schlagzeug im Pfandhaus spielte. Echos of Bukarest war der Titel des Programms. Der aus Rumänien stammende Alex Simu lebt wie Joris Roelofs in den Niderlanden. Alex Simu spannt einen musikalischen Bilderbogen aus der Geschichte Bukarests. Vom Osmanischen Reich, über die kommunistische Herrschaft bis in die Gegenwart. Sehr ruhige balladeske Passagen gingen in schnelle Rhythmen über und fanden wieder zum ruhigen Spiel zurück. Auch Elektronik kam zum Zuge. Dazu spielt Alex Simu auf der Bassklarinette, der Kontrabassklarinette und der eher selten gespielten Clarinette d`amour, einer G-Klarinette, die einen birnenförmigen Fuß hat, den sogenannten “Liebesfuß“. Besonders Pianist Franz von Chossy hat neben dem Bandleader eine tragende Rolle. Die Alex Simus Band spielte über 90 Minuten an einem Stück ohne Unterbrechungen. Am späten Sonntagabend eine echte Herausforderung für das Publikum.

Drei Konzerte am Wochenende, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, zeigten noch einmal die ganze Bandbreite des Festivals rund um die Klarinette.

Am 16.10. findet das letzte Konzert des Multiphonics Festival in der Kölner Philharmonie statt. Mit der Kinan Azmeh CityBand aus New York gibt es einen hochkarätigen Abschluss für das sechste Multiphonics Festival.