Soniq Voices |

Jazz und World vom Feinsten

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 29.11.2019 | Sechs Musikerinnen, mit unterschiedlichen ethnischen und musikalischen Wurzeln, sind auf der Bühne des Stadtgartens. Sie spielen und singen als seien sie eine Working Band, die schon Jahre zusammen ist.

Die Saxophonistin und Klarinettistin Christina Fuchs konzertiert mit der Band Soniq, zu der der deutsch-indische Pianist Jarry Singla und der südindischen Perkussionist und Schlagzeuger Ramesh Shotham gehören.

Mit ihrem Projekt Voices hat die Band die ukrainische Sängerin und Schauspielerin Mariana Sadovska, die indische Sängerin Sandhya Sanjana und den marokkanischen Sänger und Multiinstrumentalisten Majid Bekkas als Gastmusiker eingeladen.

Auf dem Programm stehen Stücke aus den verschiedenen Kulturkreisen der MusikerInnen. Das Konzert beginnt mit einem Stück von Majid Bekkas, das sich mit den dunklen Mächten des Waldes beschäftigt. Das nächste Stück von Mariana Sadovska knüpft daran an, es handelt von Waldgeistern in der Ukraine. Die Stücke sind natürlich völlig unterschiedlich. Bekkas Musik stammt aus der Gnaoua-Musik, die schwarzen Sklaven aus Westafrika, der Wiege des Blues, im 15. Jahrhundert nach Marokko gebracht haben. Heute ist sie ein Teil der marokkanischen Kultur. Mariana Sadovskas Stück speist sich aus der alten fast vergessenen Volkstradition der Ukraine. Mariana reist in abgelegene Regionen der Ukraine und sammelt dort Volksmusik, die sie dann arrangiert.

Alle MusikerInnen geben sich in die jeweiligen Stücke ein. So spielt Ramesh Shotham auf der südindischen Thavil Trommel eine lange Improvisation zu dem Ukrainischen Stück. Majid Bekkas singt stellenweise mit Mariana im Duett und begleitet sie auf seiner Guenbri, einem tief gestimmtem Saiteninstrument, eine Art westafrikanische Bassgitarre. Die indische Sängerin Sandhya Sanjana singt Linien aus der nordindischen Musik dazu. Jarry Singla spielt dazu Klavier oder Harmonium. Christina Fuchs setzt Klarinette, Bassklarinette und Saxophon ein. Bei einem Stück geht Mariana Sadovska mit Ramesh Shotam in ein Duett in der südindischen Trommelsprache Konnakol.

Christina Fuchs bringt das Soniq Voices Konzept mit ihrem Stück Osmosis auf den Punkt. Es geht um Durchlässigkeit. Jede und jeder bringt seine Musik ein und achtet darauf, dass er Teil einer Gruppe ist, die einen kohärenten Klang erzeugt. Dabei darf es auch Reibung geben. Die expressive und temperamentvolle Mariana Sadovska gibt sich mit ihrem Gesang und Harmoniumspiel ein, mal traditionell und mal avantgardistisch. In einem Stück gehen Trommel und das marokkanische Saiteninstrument in ein Call und Response. An anderer Stelle bilden die drei Frauen ein Gesangstrio und gehen mit Majid Bekkas in einen Dialog. Im Stück Musicbox von Christina Fuchs singen die Frauen Linien ohne Worte und stehen im Wechselspiel mit Piano, Guenbri und Schlagzeug. In der Zugabe gibt es ein Duo von Majid Bekkas am Daumenklavier mit Ramesh Shotam an der südindischer Ghatam Trommel.

Ein Stück unterschied sich deutlich von den anderen Stücken, aber auch das passte gut in das Konzert. Ramesh hat von einem amerikanischen Freund, Jimi Bunch, ein Stück mitgebracht mit dem Titel: Selling Greenland oder Narcistic Personality Disorder. Avantgardistische Musik, mit Revueartigen Gesangsparts mit dem Refrain Selling Greenland…oder wie Ramesh es ausdrückt, eine Reise in die Neue Musik. Eine bitterböse Ironie. Hier zeigt sich die Flexibilität der MusikerInnen, die dieses ungewöhnliche Stück mit Leichtigkeit umsetzten.

Ein Konzert, bei dem Integration live vorgeführt wird. Unterschiedliche Kulturen gehen in einen fruchtbaren Austausch, niemand gibt seine Identität auf, alle respektieren und schätzen die Tradition der anderen und schaffen gemeinsam etwas Neues. Jazz trifft auf Gnaoua, auf indischen Gesang, auf sündindische Rhythmen und auf ukrainische Folklore. Avantgarde trifft auf Tradition. Und heraus kommt ein Konzert mit vielfältiger und schöner Musik.

https://soniq-music.com/