Ein starkes Signal aus Krefeld |

Zwei Bands lebten die improvisatorische Freiheit

Text: Stefan Pieper | Fotos: screenshots

Krefeld, 04.05.2021 | Die Jazz-Szene ist lebendig und divers - und immer ein zartes, vor allem ökonomisch bedrohtes Pflänzchen in der Kulturlandschaft. Um zu zeigen, wie sehr improvisierende Musikerinnen und Musiker auf diesem Planeten am gemeinsamen Strang ziehen, hat die UNESCO den „International Jazz Day ins Leben“ gerufen. Der Jazzklub Krefeld begeht diesen Tag alljährlich mit dem, was er am besten kann: Ein hochkarätiges (Doppel-)Konzert im Rittersaal der Burg Linn zu präsentieren.

Die Band „Philm“, die ihren ausgefallenen Auftritt aus dem letzten Jahr nachholte, lotet in diesem Sinne alle erdenklichen Möglichkeiten aus, trifft Entscheidungen aus dem Moment heraus, sucht das Neue, Unbekannte in der Musik. Alle vier beherrschen ihre Instrumente, dass es den Atem nimmt. Aber das dient nicht der Eitelkeit, sondern ist ein kollektives Vokabular, mit dem das große Ganze über die Gesamtdauer des Konzertes immer mehr anwächst. Saxofonist Philipp Gropper , der Pianist Elias Stemeseder und Bassist Robert Landfermann erzeugen bei aller spielerischen Energie zugleich eine feinnervige, aufregende Klangpoesie. Oli Steidle ist viel mehr als nur ein Rhythmusgeber, wenn er, wie ein Dirigent in einem symphonischen Orchester ein Netzwerk aus filigranen Strukturen webt. Atonale Klänge transportieren plötzlich Botschaften, rhytmische Strukturen entfalten eine sprechende Struktur, je mehr jedes konventionelle Metrum vernachlässigt wird. Wer hier eintaucht, ist einmal mehr an der vielbeschworenen "musikalischen Grundlagenforschung" ganz nah dran!

Auch Konzertveranstalter müssen viel improvisieren in diesen Tagen. Diesmal war es allein der Umstand, dass der Bandleader der zweiten eingeladenen Band „Spinifex“ erkrankt war. Rolf Sackers konnte kurzfristig eine deutsch-niederländische „Ad-hoc-Band“ für ein freies Improvisationskonzert zusammen stellen. Bei Konzerten, bei denen Musiker zum ersten Mal miteinander spielen, liegt immer eine ganz besondere Energie in der Luft. Der Wunsch, endlich wieder zusammen Musik machen zu können, schien hier lange aufgestaut - entsprechend steigerte sich die Spiellust zu einer regelrechten Spielwut - mit noch mehr ungebremster Energie lässt sich wohl kaum ein Raum anfüllen.