CD-Besprechung

Jakob Bro |

Uma Elmo

Text: Stefan Pieper

Kopenhagen, 02.05.2021 | Das aktuelle Album von Jakob Bro featured den Trompeter Arve Henriksen und den spanischen Schlagzeuger Jorge Rossy. Das setzt Traumsequenzen frei, die in diesem Trio auf Gleichberechtigung beruhen. Den feinen kompositorischen Faden webt jedoch der dänische Gitarrist selbst...

Falsch liegt, wer sich beim ersten Hören dieses meditativen Albums allein auf die Bravourleistung des Trompeters Arve Henriksen fokussiert. Zugegeben: Man ist sehr schnell zu so etwas verführt angesichts der einzigartigen Präsenz von Henriksens Trompetenspiel. Denn all das gibt es kein zweites Mal: Diese exotischen Phrasierungen, dieses singende, manchmal fast flötenartige Klangideal, überhaupt dieses Spektrum an Modulationen und Mikrointervallen - es gibt schon viele Konstellationen und Alben, die dies dokumentieren. Das Album “Uma Elmo” unter Federführung von Jakob Bro ist eine neue, reiche Konstellation. Henriksen soll hier sogar teilweise den Trompetenklang durch Verwendung eines Saxofonmundstückes manipulieren.

In erster Linie steckt Jakob Bro als Gitarrist und vor allem auch als Komponist der Stücke die Entfaltungsräume ab und schickt damit den Trompeter Arve Henriksen auf große spielerische Fantasiereise. Und so frei und assoziativ sich hier maximale Klangfantasie entfaltet, so stringent sorgt doch die Substanz der Stücke für einen erzählenden Fluss.

Jakob Bro füllt mit seinem elektrischen Gitarrenspiel Räume aus, forscht nach Zwischenwelten. Oft funkelt und schillert es aus der Ferne heraus. Der daraus entstehende Hörfilm braucht gar nicht so viel Handlung, geschweige denn Dialoge, wo Atmosphäre und Bilder alles sind. Das Schlagzeugspiel erfüllt all jene Qualitäten, wie wir sie aus vielen „typischen ECM-Produktionen“ kennen. Alles ist wichtiger als stoische Taktung, die Impulse und Klänge von Jorge Rossy wie empfindsame Berührungen im richtigen Moment. Bei allem überwiegt Luftigkeit, zugleich auch vorsichtige Zurückhaltung. Wenn die drei zu einem musikalischen Nachruf auf den im Jahr 2018 verstorbenen Thomasz Stanko aufspielen, markiert Henriksens Sound das Gegenteil von Stankos Spiel. Aber dafür ist diese elegische Emotion und Melancholie der gemeinsame Nenner. Auf Uma Elmo kommt all dies aus einer tiefen Ruhe heraus, auch wenn die Gesamtwirkung dadurch manchmal fast etwas zu stationär gerät. Auf jeden Fall ist „Uma Elmo“ von Jakob Bro, Arve Henriksen und Jorge Rossy eine idealen Musik für die Nacht - die dazu beiträgt, am Ende eines zu vollen Tages wieder empfindsam zu werden!

Der rätselhafte Titel dieses Albums ist übrigens eine Zusammensetzung aus den zweiten Vornamen von Bros kleiner Tochter (Uma) und seinem neugeborenen Sohn (Elmo).

Karl Lippegaus hat sich umfassend mit Jakob Bro ausgetauscht. Ein ausführliches Interview gibt es hier

https://nrwjazz.net/jazzreports/2021/Jakob_Bro_Diary_of_Jazz/

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https://www.ecmrecords.com/shop/1605700788/uma-elmo-jakob-bro-arve-henriksen-jorge-rossy