Festivals in NRW

Janning Trumann Oktett |

Albrecht Maurer - Kerstin de Witt

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 10.06.2021 | Im Rahmen des Festivals “Romanischer Sommer“ werden in den Romanischen Kirchen in Köln Konzerte gespielt. Aufgrund der Corona Pandemie wurde entschieden, die Konzerte als reine Radio Konzerte stattfinden zu lassen. Das Programm entspricht dem im letzten Jahr ausgefallenen Festival. Alle beteiligten Musiker*innen haben in St. Ursula und in Maria im Kapitol gespielt und wurden dort vom WDR aufgenommen. Gesendet werden die Konzerte bis in den Oktober hinein auf WDR 3 gesendet. Am 11.6. findet zum Auftakt des Festivals die “Romanische Nacht“ statt.

Ich habe die Proben und die Aufnahmen von zwei Konzerten in St. Ursula besucht.

Wem Zeit wie Ewigkeit - Zeitgenössischer Jazz und improvisierte Musik im Kirchenraum von JANNING TRUMANN.

Janning Trumann gehört zu den profiliertesten Musikern der jungen Generation. Er hat für dieses Projekt ein Oktett aus musikalischen Weggefährt*innen zusammengestellt mit denen er zum Teil schon seit vielen Jahren erfolgreich zusammenarbeitet.

Mit dieser Komposition zeigt er eine besondere Seite seines musikalischen Schaffens. In »Wem Zeit wie Ewigkeit« verbindet er sakrale Themen mit Jazz und improvisierter Musik. Inspiriert wurde er von einer Skulptur Ernst Barlachs, die Bezug nimmt auf einen Text des Mystikers Jakob Böhme (1575–1624): »Wem Zeit wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit, der ist befreit von allem Leid.«

Janning Trumann begreift das mystisch-religiöse Gedankengut als einen Akt der Reduzierung und Fokussierung. In einer Zeit der Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit setzt er mit dieser Musik einen Gegenpol und spürt mit seiner Komposition dem Spannungsverhältnis von Zeit und Ewigkeit nach.

Er hat eine tiefgründige, hochmoderne Komposition mit Anklängen an sakrale Musik geschaffen. Dabei setzt er Elemente zeitgenössischer Musik, Jazz und improvisierter Musik ein und bezieht bewusst den Klangraum Kirche mit ein. Janning Trumann stellt sich mit seiner Komposition in die Tradition des spirituellen Jazz, wie er von Duke Ellington über John Coltrane bis in die Gegenwart hin wirkt.

Im Mittelpunkt steht dabei die Orgel. Kontrabass und Vibrafon liefern die perkussiven Elemente. Und ein Bläserquintett sorgt für chorische Klangwirkung.

Das Ensemble spielt während der Aufnahme auf der Orgelempore der Kirche St. Ursula, eine der 12 großen Romanischen Kirchen Kölns. Das Hauptschiff der Kirche ist gotisch, d.h. ein hoher großer Klangraum. So ist die Musik während der Aufnahme im Kirchenschiff deutlich wuchtiger als 2019 in der kleineren Antoniter Kirche in der Schildergasse. Die kräftige Bläsersätze zur Orgel haben in St. Ursula noch mehr Raum sich zu entfalten. Aber die Orgel und die vollen Bläsersätze sind nur ein, wenn auch wichtiges, Element in der Musik dieser sechsteiligen Suite. Janning Trumann hat mit seiner Komposition viele verschiedene musikalische Möglichkeiten eines Oktetts ausgelotet und sie in seiner Suite gebündelt. Musik die einen Ergreifen kann und auch Nachdenklich stimmen kann.

Fly on Bach – Improvisatorische Blicke auf Johann Sebastian Bach

Kerstin de Witt, an den Blockflöten und Albrecht Maurer an gotischer Fidel und Rahmentrommel nehmen die Musik von Bach als Ausgangspunkt um darüber zu improvisieren. Sie lassen auch Elemente nordafrikanischer und arabischer Musik mit einfließen. Sie fliegen zu Bach, und noch zeitlich weiter zurück in das mittelalterliche Llibre Vermell. Sie besuchen die Alhambra und reisen nach Marokko. Dabei setzt Albrecht Maurer an einigen Stellen eine Rahmentrommel neben der gotischen Fidel, die zwei- bis dreihundert Jahre älter ist als die Geige, ein. Auch Gesangslinien streut er ein. Kerstin de Witt spielt diverse Flöten der Blockflötenfamilie, von der Piccoloflöte bis hin zur Subbassflöte. Die beiden Musiker*in erschaffen dabei eine Stimmigkeit, die vergessen lässt das es sich um verschiedene Zeiten und Traditionen handelt. Man wähnt sich manchmal auf einem orientalischen Basar, aber könnte ebenso auf einem mittelalterlichen Markt stehen. Als Zuhörer taucht man in die Musik ein und erlebt sie als etwas Ganzes. Die Alhambra in Granada ist das passende Symbol für diese Art von Musik. Steht sie doch für eine Kultur in El Andalus in der christliche, jüdische und islamische Traditionen miteinander verflochten waren. Solch eine Verwobenheit von Musik aus verschiedenen Zeiten und Kulturen ist Albrecht Maurer mit seinen Kompositionen und Arrangements gelungen.

Diese Musik und noch viel weitere großartige Musik, von Vokalgruppen bis zu Alphornbläsern, wird am 11. Juni auf WDR 3 ab 20.04 Uhr in der Romanischen Nacht zu hören sein.

Das gesamte Programm des Festivals:

http://www.romanischer-sommer.de/wp-content/uploads/RoSo21_Programm_50S.pdf

Bericht über das Konzert "Wem Zeit wie Ewigkeit" Janning Trumann 2019:

https://www.nrwjazz.net/jazzreports/2019/Wem_Zeit_wie_Ewigkeit_Janning_Trumann_Nonett/

Über die Hintergründe der Komposition von Janning Trumann:

https://www.nrwjazz.net/jazzreports/2019/Janning_Trumann_Projekt_Wem_Zeit_wie_Ewigkeit_/