Konzert, NRW

Two-Night-Stand in Hürth |

JP Weber und Michael Kuhl im Hürther Jazzkeller

Text: Stefan Pieper | Fotos: Kurt Schürmann

Hürth, 28.09.2022 | Am Ende hatte er die Mandoline doch zu Hause gelassen. Zu den beiden Konzerten, die Kölsch-Kabarettist, Musiker und Komponist JP Weber alias„Die Flitsch“ am Wochenende im Jazzkeller Hürth gab, brachte JP Weber stattdessen die Jazzgitarre mit. Außerdem im musikalischen Gepäck: Kollege Michael Kuhl an Trompete, Flügelhorn und Ventilposaune.

Weber hatte das Programm des Duos als einen „One-Night-Stand“ angekündigt – eine im eigentlichen Wortsinne einmalige Bühnenaufführung. Dabei hätte man angesichts der zwei Konzertabende, die in der gemütlichen Spielstätte des Jazzclubs stattfanden, auch von einem „Two-Night-Stand“ sprechen können.Schlagfertige Einlage„Wohlklingende Musik von Nat King Cole bis Miles Davies – Mainstream-Jazz, der Song-Charakter hat“, so hatte Weber das Programm im Vorfeld selbst beschrieben. In der Tat bildete das sangbare Element die Klammer, unter der sich am zweiten Abend ganz unterschiedliche Stücke sammelten. So etwa „Du… (bess die Stadt)“ von den Bläck Fööss in einer intimen Balladen-Fassung im Dialog zwischen Gitarre und gedämpfter Trompete. Oder Charlie Chaplins unsterblicher Filmmusik-Klassiker „Smile“ („Modern Times", 1936) – von Michael Kuhl „op Kölsch“ und wohltuend ohne irgendwelche karnevalistischen Mätzchen gesungen. Daneben gab es Jazz-Nummern wie „Georgia On My Mind“ (Hoagy Carmichael), ein Stück, zu dem Weber eine ganz besondere Beziehung hat. Er sang es mit rauchiger Stimme und einer gehörigen Portion Blues. Bevor er sich dem Jazz-Standard hingeben konnte, musste er allerdings einem allzu eifrigen Schnippser im Publikum mit kölschem Mutterwitz den Kopf waschen: „Denks de, do kriss Geld, wann do hee mitschnipps?“, rief er zur allgemeinen Erheiterung ins Publikum. Eine spontane und schlagfertige Einlage, die man so nur in der ripuarischen Muttersprache vom Stapel lassen kann. Problem charmant gelöst!Kleines Zeichen der Solidarität

Eine elegante Fassung des Roadsongs „Route 66“ (Bobby Troup) – mit Weber als Sänger – gehörte genauso zum Programm wie Gerald Marks’ „All Of Me“, in dem Kuhl mit samtener Stimme seine Crooning-Qualitäten unter Beweis stellte. Die Black-Fööss-Hymne „En unserem Veedel“ präsentierten die beiden Musiker im zärtlichen Austausch von Gitarre und Trompete als Jazz-Ballade, in der die musikalische Qualität der Komposition umso deutlicher wurde.
Von den Schrecken der aktuellen politischen Lage wurde das Publikum eingeholt, als die beiden Künstler einen Kollegen auf die Bühne baten, der nicht angekündigt gewesen war: Luka Taras, Musiker aus Odessa, der vor dem Krieg aus seiner ukrainischen Heimat geflohen ist, wartet derzeit in Köln darauf, zu seiner Frau nach Kanada ausreisen zu dürfen. Gemeinsam mit Weber und Kuhl setzte Taras „Take The A Train“ (Billy Strayhorn) swingend unter Strom. Später spielte er noch im Duett mit Kuhl eine Fassung des Disney-Film-Klassikers „Some Day My Prince Will Come“ (Schneewittchen). Eine zärtlich-nostalgische Liebeserklärung mit Musette-Anklängen, die die Musiker Taras’ Frau in der Ferne widmeten.

„Wir kommen gerne wieder!“

Kein Wunder, dass es am Ende des Abends lautstarke Zugaben-Forderungen gab. Die Musiker lieferten auch, indem Kuhl kurzerhand das Klavier auf der Bühne abdeckte und sich an die Tasten setzte, um zusammen mit Weber „Loss mer singe“ als große Schluss-Nummer zu geben. Das Publikum reagierte begeistert und gab für Luka Taras Standing Ovations; ein kleines Zeichen der Solidarität angesichts der brutalen Kriegsverbrechen, die von den russischen Streitkräften in der Ukraine verübt werden.
Im Anschluss an das Konzert war Weber sichtlich glücklich, obwohl es gar nicht so leicht gewesen sei, nach 17 Jahren Abstinenz wieder in die Rolle als Jazz-Musiker hineinzufinden. „So etwas geht auch nur, wenn man den richtigen musikalischen Partner neben sich auf der Bühne stehen hat“, versicherte er beim Gespräch in der Garderobe. „Michael ist genau das. Und ich möchte hinzufügen: Wir kommen gerne wieder!“
Auch Günter Reiners, Vorsitzender des Jazzclubs Hürth e. V., war mit den beiden Konzerten zufrieden und wusste zu berichten, dass sich viel Publikum aus Köln auf den Weg in den Jazzkeller gemacht hatte. „Von unseren Gästen aus der großen Nachbarstadt habe ich an beiden Abenden übereinstimmend gehört, dass sie sich ein Programm mit dieser Qualität auch in der Domstadt wünschen würden, denn das verdiene definitiv überregionale Aufmerksamkeit.“Nächstes Highlight:Hop-on-Hop-off – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland


Eine historisch-musikalische Bustour zu Stätten des jüdischen Lebens

Als nächstes Highlight der Jazz-Saison steht ein Konzert an, das für den Jazzclub sehr wichtig ist: Im Nachklang des großen Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, das 2021 auch im Rhein-Erft-Kreis mit über 80 Veranstaltungen gefeiert wurde, veranstaltet der Jazzclub Hürth eine Bustour durch Hürth, Kerpen und Brühl. Mit der historisch-musikalischen Tour zu Stätten jüdischer Vergangenheit und Gegenwart will der Jazzclub gerade in Zeiten, in denen Ausgrenzung und Hass wieder in beschämender Weise zunehmen, darauf aufmerksam machen, dass Jüdinnen und Juden in unserer Region schon immer zu uns gehören!

Termin:

2.10.2022, 15 Uhr

Hop-on-Hop-off – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland
Eine historisch-musikalische Reise durch Hürth, Kerpen und BrühlMusik

Vier Männer von Welt

Eine Kooperation des Jazzclubs Hürth mit den Archiven der Städte Hürth und Kerpen sowie der Abteilung Kultur, Partnerschaften, Tourismus & Veranstaltungsmanagement in BrühlOrt:Treffpunkt und Ende Wendelinusplatz
50354 Hürth

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