Festivals in NRW

Multiphonics Festival Doppelkonzert |

Kris Davis und Louis Sclavis

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 28.09.2022 | Es ist schon eine Tradition, dass das Multiphonics Festival einen Konzertabend in der Düsseldorfer Jazz Schmiede veranstaltet. Dieses jahr findet ein Doppelkonzert von Kris Davis Save your Breath und Louis Sclavis mit Band statt.

Kris Davis Save your Breath

Die kanadische Pianistin Kris Davis wird mittlerweile auf eine Stufe mit Myra Melford oder Geri Allen gestellt. Gerade hat sie mit Terry Lyne Carrinton, und Nicolas Payton ein viel beachtetes Album veröffentlicht. Sie hat dieses Jahr den Kompositionsauftrag des Multiphonics Festivals bekommen. Sie interpretiert die Musik ihrer Band Save your Breath, in der Klavier, Klarinetten und Elektronik zusammenkommen, neu. Ihr Festival Quintett Save your Breath ist mit zwei europäischen Spitzenklarinettisten besetzt. Frank Gratkowski an Bassklarinette und Flöte und Joachim Badenhorst an B-Klarinette und Bassklarinette. Die Rhythmusgruppe besteht aus den renommierten Musikern Jim Black am Schlagzeug und Miles Perkin am Bass.

Kris Davis entwickelt in ihrer Musik melodische, harmonische und rhythmische Strukturen, über die die Musiker*innen improvisieren. Die Strukturen werden dabei kunstvoll dekonstruiert und später wieder zusammengefügt. Kris Davis eröffnet mit ihrem Pianospiel das Konzert und Miles Perkins spielt ein großartiges Basssolo, Frank Gratkowski setzt seine Querflöte ein und wechselt dann später zur Bassklarinette. In einigen Passagen präpariert Kris Davis ihren Flügel und es entsteht ein glockenartiger Klang. Die Klarinettisten spielen Unisono oder in gegenläufigen Melodielinien. Sie setzen Flattertechnik, Vibrato, Klacken,und Klappengeräusche ein. Besonders die Improvisation von Frank Gratkowski sind äußerst elaboriert. Vorangetrieben wird der Sound des Quintetts von der Urgewalt des Schlagzeugers Jim Black. Es ist spürbar, wie Kris Davis Freiräume für die anderen Musiker lässt und diese den Raum füllen. Auch wenn die Improvisationen weit ins Freie führen, kommen sie doch immer wieder in die Ausgangsstruktur zurück und es swingt dann auch. zeitgenössischer Jazz mit viel Offenheit und Freiheit, aber im weitesten Sinne an die Tradition angebunden. Die Musik bewegt sich mit wuchtigen Schritten voran mit Jim Black als kraftvoller Taktgeber. Auch Kris Davis setzt neben ihrem durchaus auch lyrischen Spiel viel Power am Flügel ein, mit Klusteranschlägen oder mit Fäusten. Save your Breath ist ein Powerhouse bei deren Klanggewittern kann auch das Publikum außer Puste kommen.

Louis Sclavis Characters on A Wall

Dagegen wirkt Louis Sclavis mit seiner Band und seinem Programm Characters on A Wall auf den ersten Eindruck etwas konventionell. Aber dieser Eindruck täuscht natürlich, den Sclavis ist einer der ganz großen europäischen Klarinettisten. Sein Spiel ist voll subtiler Schönheit, er setzt mit seinen Melodiebögen Gefühle in Klang um. Louis Sclavis ist ein Grenzgänger zwischen Jazz und europäischer Kammermusik mit einem unerschöpflichen Fundus an Improvisationsideen.

Diese Eleganz und Feinheiit in der Musik nehmen das Publikum schnell gefangen. Es ist immer schwierig zwei Konzerte hintereinander zu hören ohne zu Vergleichen. Natürlich ist die Musik von Louis Sclavis nicht mit der Musik von Kris Davis zu vergleichen. Aber beiden ist ein tiefes Gefühl von Schönheit gemeinsam, dass sich in unterschiedlichen Formen ausdrückt. Characters on A Wall ist auch der Titel des aktuellen Albums von Luois Sclavis, aus dem er viele Stücke spielt. Bei dem Stück Prison zeigt Sclavis, dass er auch mit all den erweiterten Techniken an seinem Instrument vertraut ist und durchaus auch experimentellere Musik komponieren und hervorragend umsetzen kann. In seiner Band sind drei Musiker, die ihn auf diesem Weg begleiten, stützen und ihren eigenen Beitrag leisten. Mit Benjamin Moussay hat einer einen herausragenden Pianisten an seiner Seite. Und auch der Bassist Frederic Chiffoleau und der Schlagzeuger Christophe Lavergne überzeugen bei dem Konzert. Bei der Musik von Louis Sclavis kann das Publikum wieder etwas zu Atem kommen und sich zurücklehnen und die musikalischen Bilder auf sich wirken lassen. Diese Bilder sind bewegt und voller Dramatik und Lebendig. Es ist schon spürbar, dass Sclavis auch Filmmusik schreibt.

Die beiden Konzerte haben in ihrer Unterschiedlichkeit etwas Komplementäres und ergänzen sich in gewisser Weise. Auch die Reihenfolge passt gut. Ein wirklich gelungener Konzertabend in der Düsseldorfer Jazz Schmiede. Das Publikum spendet reichlich Beifall und geht ganz erfüllt von der Musik nach Hause.

multiphonics-festival.com