Album

Neue Alben kurz vorgestellt |

Christoph Gieses Schnelldurchlauf Vol. 8

Text: Christoph Giese

Gelsenkirchen, 03.02.2022 | Neue Alben zeugen von der Vielfalt aktueller Projekte im europäischen Jazz und ermöglichen ein Wiederhören mit einer legendären Jazz- und Bluessängerin, diesmal aber modern aufbereitet...

Markus Stockhausen / Vangelis Katsoulis / Arild Andersen:

Across Mountains (o-tone music)

Die drei hier beteiligten Protagonisten sind sich schon 1996 bei einem Konzert in Athen begegnet. Dieses Album aber entstand nun, in einer Zeit, in der Reisen und Konzerte spielen nicht möglich war. Man schickte sich Tonspuren zwischen Deutschland, Athen und Oslo hin und her. Stücke entstanden. So ein Online-Aufnahmeprojekt birgt sicher Gefahren, aber eröffnet auch neue Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten. Der Trompeter, der Pianist und der Bassist haben auf Across Mountains unter der dezenten Hinzufügung von Loops und Elektronik jedenfalls ein wunderbar atmosphärisches und sinnliches Trio-Album eingespielt.

Sebastian Voltz: Voyages (Tough Tone Records)

Er kommt von der Klassik und entdeckte während seines Studiums zum klassischen Konzertpianisten seine Liebe zur improvisierten Musik. Um dann mit einer Klezmerformation durch Israel zu touren oder mehr als 100 Konzerte mit dem Trio der Jazzgitarristin Susan Weinert zu spielen. Dann kam Corona, Susan Weinert starb und Sebastian Voltz setzte sich ans Klavier und komponierte eine Hommage für die verstorbene Kollegin – der Start für dieses Soloalbum. Weitere Stücke folgten und zeigen allesamt einen gefühlvollen Pianisten mit klassisch geschultem Anschlag und Blick auf den Jazz, der hier berührende Stücke Musik spielt.

Markus Burger: The Vienna Sessions (Challenge Records)

Noch einmal Solopiano, noch einmal zeitlos schöner Klavierjazz fürs Herz. Der deutsche, in Los Angeles lebende Pianist und ehemalige Folkwang-Student Markus Burger verbrachte im August 2019 zwei Tage in Wien und hatte das Privileg im dortigen Bösendorfer Piano Showroom The Vienna Sessions aufzunehmen. Sechzehn selbst komponierte Stücke und Miniaturen sind es schließlich geworden, die es auf diesen Tonträger geschafft haben. Einige davon hat Burger leicht elektronisch angereichert, was der ohnehin atmosphärischen Stimmung dieser Produktion noch einen zusätzlichen, durchaus interessanten Anstrich gibt.

Mohammad Reza Mortazavi: Prisma (flowfish)

Ebenfall solo eingespielt ist Prima, das neue Album des lange schon in Deutschland lebenden, iranischen Meisterperkussionisten Mohammad Reza Mortazavi. Hier glaubt man mehr als nur einen Musiker zu hören. Faszinierend wie sich bei dem Iraner auf Rahmen- und Handtrommeln mehrere perkussive Ideen zu einem zirkulierenden Ganzen verbinden, angereichert durch das erstmalige Verwenden seiner Stimme auf einem eigenen Album. Hier wird Schlagwerkkunst zu einer allumfassenden, höchst virtuosen Klangsprache.

triosence: Giulia (Sony Masterworks)

Einmal mehr spielt das Trio um den Pianisten Bernhard Schüler zeitlose schöne Jazzmusik mit viel Gefühl und singbaren Melodien. In Italien aufgenommen verströmt Giulia eine herrliche mediterrane Leichtigkeit, sendet positive Vibes und vertreibt so mit seinen Klängen garantiert jeden Winterblues. Dass bei drei Stücken auch noch der namhafte italienische Trompeter Paolo Fresu mitwirkt, was das Trio als eine Art Ritterschlag empfindet, rundet dieses Werk ab.

Nina Simone: Feeling Good (Verve Records)

Diese Doppel-CD der 2003 schon verstorbenen Jazz- & Bluesdiva ist ein echtes Muss, auch für Fans der US-Amerikanerin aus North Carolina, die schon einiges von ihr im Plattenschrank stehen haben. Denn der Untertitel der neu erschienenen Rückschau heiß schließlich Her Greatest Hits & Remixes. Und so gibt es neben so wahnsinnig starken Songs aus dem Repertoire von Nina Simone wie natürlich „Strange Fruit“, „I Put A Spell On You“ oder „Don´t Explain“ ab der Hälfte von Silberling Nummer zwei einen Schwung hipper Remixe ihrer Nummern von einigen Top DJs und Produzenten zu entdecken. Die zeitlebens politisch so engagierte Künstlerin, modern aufbereitet für den Dancefloor? Warum nicht!